predigt

Hoffnung haben – einander annehmen Römer 15, 4-13
Was gibt uns Hoffnung?

Und was hat das mit „einander annehmen“ zu tun?
Diese beiden Fragen greifen ja die zentralen Stichworte auf, die Paulus einst den Christen in Rom geschrieben hat und die nun wir heute am 3.Advent hören. Gibt Advent Hoffnung? Gelingt im Advent das „einander annehmen“? Vielleicht sogar leichter oder besser als sonst?

Seit gut 2 Wochen sind wir unterwegs beim lebendigen Adventskalender. Gastgeber und Gäste begegnen einander, versammeln sich um die Adventslaterne. Schön, wenn es eng wird. Und es geht sehr herzlich zu. Und es wird so manches erinnert, was gut tut: Weihnachtserwartung, Frie­denshoffnung, zur Ruhe kommen – und sie sind verbun­den mit dem Licht und dem Kind in der Krippe. Und so unterschiedlich die Abende auch sind – sie tun gut. Und ich denke, da ist auch Vorfreude und Erwartung, diese oder jenen dabei zu treffen – ökumenische Gemeinschaft.

Advent ist verbunden mit Hoffnung. Wir erleben „ange­nommen sein“. Dabei ist das Licht von Bedeutung. Und in so manchem Lied wird dieses Licht in Zusammenhang ge­bracht mit Jesus Christus. 

Ich habe bei den Konfirmanden nachgefragt, was ihnen im Advent und zu Weihnachten wichtig ist und wie das Fest gut gefeiert werden kann.

Kerzen sind wichtig und mit geliebten Menschen zusam­men sein und essen; auch miteinander musizieren; alles schön schmücken und eine gute Atmosphäre schaffen und eben miteinander essen – gut und gesund essen. 

Da mag es nerven, wenn es regnet, oft dunkel und kalt ist, viel Aufwand getrieben wird und das Fest auch viel Arbeit macht und vor den Weihnachtsferien Schulstress angesagt ist. Einzutauchen in die gemütlich-erzgebirgische Lichter-t­radition tut der Seele gut. Und ja, so sollte es das ganze Jahr sein – so friedlich miteinander. 

Was machen wir da mit dem, was belastet oder zwischen uns liegt? Was machen wir vielleicht ja anders als im Rest des Jahres? Wir schaffen mit den Lichtern eine feierlich-fröhliche Atmospäre; wir tauschen uns aus, ja suchen das Gespräch miteinander; wir tun Dinge wie „Weihnachten im Schuhkarton“ - auch der fremde Bedürftige ist uns nicht egal und Egoismus ist „out“. Oder ist es doch nur so, dass der Dreck nur in den Mülleimer kommt oder derweil unter den Tisch oder unter den Teppich gekehrt wird, oder unters Bett, wie Konfirmanden meinen …?

Klar – dann wird’s zum Ende der Feiertage zu viel und die alten Konflikte brechen auf. So kommt die Hoffnung nicht zum Tragen und funktioniert einander annehmen nicht.

Wie ist das also mit dem „sauber machen für das Fest“? Und gelingt es uns, nicht allein die Dinge vorzubereiten, sondern auch uns selbst?

Beim lebendigen Adventskalender gibt es eine ganz offene Einladung. Das ist durchaus stressig für die Gastgeber, da man nicht weiß, wie viele Leute kommen und was wird, wenn das Wetter „unfreundlich“ ist? Ja, das war manch­mal schon so in den letzten 5 Jahren. Und man erinnert sich – der guten Stimmung. Eben „zusammen­rücken“. 

Und für den Dreck? Ich meine das giftig-belastende im Miteinander? Die christliche Einladung ist, Schritte zur Versöhnung gehen. Und da kann es ein guter Anfang sein, mit diesem Dreck zu Gott zu gehen. Da würde bei Gott kaum Überraschung sein, denn Gott weiß das längst. Nur geht das Reinemachen nicht, wenn ich nicht mitmache. Was könnte sauber werden, wenn ich mich hinstelle und sage: ich bin nicht schmutzig. Aber ich könnte den Mo­ment der Ruhe beim Kerzenschein nutzen und Gott mei­nen Dreckeimer hinstellen. 

Mich könnte die Sorge oder Ungewissheit umtreiben, dass dieser Eimer mit meinem Namen da so stehen bleibt. Da ist „Seelsorge“ eine Hilfe, dass ich den Dreckeimer mit einer Person meines Vertrauens zu Gott bringe und mich die Vertrauensperson darin vergewissern kann: du, das ist jetzt Gottes Sache. Und die eigene Sache kann dann sein, aus der Erfahrung der Vergebung von Gott her, vielleicht die eine oder andere Person um Vergebung zu bitten. Ja das ist wie in nasskalter Dunkelheit miteinander um´s Adventslicht stehen, dabei sein und dazugehören dürfen und auch keinem anderen Vorwürfe machen oder böse anschauen. Die Güte des himmlischen Vaters möchte und soll doch in uns und durch uns und unter uns strahlen.

Und vielleicht ist ja heute auch die Abendmahlsfeier eine solche heilende Gelegenheit – sie ist der Zuspruch und Geschenk des Lebens. Hoffnung wird hier zur Heilserfah­rung und durch Christus sind wir Kirche und eine Ge­meinschaft. Wir wissen doch: angenommen sein hilft uns, anzunehmen. Christus ist dafür das Licht. Unsere Sehn­sucht begegnet seiner Verheißung, und so findet unsere Hoffnung im Glauben schon jetzt Erfüllung. Gott kommt nicht nur zur Welt – er kommt bei und in mir an. 

Aber ich sollte mich auch nicht für das Ganze halten, son­dern wie mich hat Gott die ganze Welt in sein Heil einge­schlossen. Das ist Licht in der Dunkelheit – das Christfest strahlt auf. 

Schließlich: Paulus begründet seine Sicht ausführlich mit Bibelzitaten – aus der hebräischen Bibel natürlich. Dazu passt, dass wir mit der neuen Gottesdienst-Lese-Ordnung mehr alttestamentliche Texte in Betracht ziehen. Und überhaupt: Bibel ist und bleibt grundlegend wichtig, und  viel­leicht ergibt sich ja Lesezeit im Advent beim Kerzen­schein. Und für die Fragen, die dabei auftauchen, könnten beim Kirchenkaffee oder beim Bibelgespräch passende Gesprächspartner sein. Wozu? Damit die Hoffnung bei uns und in uns lebendig ist und wir aus der Hoffnung her­aus einander annehmen – den ganz vertrauten Nächsten an­nehmen mit seinen bekannten Macken, und auch den fremden Anderen annehmen mit dem unbekannten Risiko. Im Zusammenspiel von Hoffnung und einander annehmen könnte ja Vertrauen wachsen – das wäre gut. 

Amen.