predigt

Mt.21,1-11

Da ist ganz schöner Trubel – ohnehin in der Stadt Jerusa­lem, weil ein Fest bevorsteht und viele Leute zum Tempel kommen werden. Aber das ist zu den Festtagen immer so. Nur diesmal ist es anders. Der Hype um Jesus aus Nazaret. Dabei gilt doch, wie Nathanael einst zu bedenken gab: Was kann aus Nazaret Gutes kommen?

Die Leute, die mit Jesus in die Stadt kommen, feiern wie verrückt! Die meisten stammen aus Galiläa. Die Gegend dort ist berüchtigt für ihre militanten Widerstandskämpfer. Und die Leute huldigen diesem Jesus, als sei er der Größ­te. Sie veranstalten ein Theater, als käme ein König.

Und so fragt man sich, wer der ist – dieser Jesus aus Naza­ret, und was seine Ankunft in Jerusalem wohl bedeutet.

Ferne Zeiten, eine ferne Welt. Wir haben den 1. Advent. Dass ein neues Kirchenjahr beginnt (und wir das nicht einmal zählen), bedeutet ja nur, dass die gottesdienstlichen Lesungen wieder von vorn anfangen. Freilich in diesem Jahr in der „neuen“ Ordnung. Dass dabei das Ende der Weihnachtszeit nun ein fester Termin, nämlich 40 Tage nach dem Heilig Abend, also am 2. Februar sein wird – naja, das ist eine „handhabbare“ Neuigkeit, die wir, oder mindestens Zwönitz, doch schon lange so machen.

Dass wir heute drei Personen in unsere Gemeinde und Kirche aufgenommen haben – ja, da könnten wir schon Jubelrufe ausstoßen. Nur möchten die „Neuen“ diese Art von Aufmerksamkeit gar nicht, sondern lieber einfach  und selbstverständlich dabei sein. 

Und wieviel Trubel es im Vorfeld des 1. Advent gab, liegt schlicht daran, wie gut der Adventschmuck verpackt war und ob die Lichter alle gleich brannten oder verzweifeltes Suchen um sich griff.

Und selbst die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem hören wir doch immer wieder - am Palmsonntag und auch eben zum 1.Advent. Obwohl es schon eine besondere Ge­schichte sein muss, wenn wir sie zweimal im Jahr hören, es wirkt doch wie Routine, alle Jahre wieder eben. Irgendwie ist es schon anders – damals und heute. Z.B. dieser „Hype“ um Jesus, der bei den Leuten in der Stadt zum erstaunten Fragen führte: wer ist das denn? Naja, er rief die Autoritäten auf den Plan und sollte dann umschla­gen in den Weg Jesu nach Golgatha ans Kreuz. Ist es das, was uns, vielleicht sogar unbewusst, nicht so begeistert ju­belnd schreien lässt, wenn Jesus zu uns kommt? Es gibt eben ihm gegenüber eine massive, tödliche Ableh­nung. Und so manche christlichen Geschwister erleben es in unseren Tagen als Verfolgung. Für hinduistische Natio-na­listen sind christliche Inder scheinbar noch immer wie ein Fremdkörper, den man ausmerzen muss; und wo Fun-damenta­lismen politisch das Sagen bekommen, da kommt Verfolgung einher. Also: nicht so laut machen; nicht so schrill und schreiend daher kommen ...

Andererseits: die Leute sollen es doch erfahren, wer dieser Jesus von Nazaret ist, nämlich der Messias, der Retter, der Erlöser, der Heiland – die Worte wechseln, die versuchen zum Ausdruck zu bringen, dass Gott in Jesus zu unserem Heil zu uns unterwegs ist. Das muss doch weitergesagt werden – vielleicht sogar schrill, schräg, unkonventionell, bissig, laut … - Hauptsache, die Leute merken auf und er­fahren diese gute Nachricht - sie können ja nur so glauben. Wie sollte es gehen, wenn sie nicht wissen, wer Jesus ist?

Paulus hat uns geschrieben: so kommt der Glaube aus der Predigt, nämlich der Christusverkündigung.

Und jetzt kommt es auf uns an: Wir sind doch die, die Jesus kennen und ihm glauben. Wir sind offenbar die, die es all den anderen, z.B den mehr als 4.000 Thalheimern, nahebringen müssen, sollen, wollen ... 

Skuril oder verrückt wollen wir es nicht tun, sondern ein­ladend und persönlich – eben so, wie es auf jedem unserer „Amtsschreiben“ im Briefkopf steht: „Wir unterstüt­zen Menschen in ihrer persönlichen Gottesbezie­hung. Wir la­den alle ein und öffnen Raum für vielfältiges Wachstum.“

Diese beiden Leitsätze sind schon vor meiner Zeit als Pfarrer hier formuliert worden – und sie luden mich ein.

Raum öffnen für vielfältiges Wachstum. Ich würde mei­nen, der Begegnungsraum unter der Orgelempore ist in diesem Sinn. Der Raum allein nützt nichts, wenn wir dort einander und anderen nicht begegnen. Und die anderen finden zufällig dazu, oder wir laden sie ein und bringen sie mit. Und sie können eine doppelte Erfahrung machen: un­sere Gottesdienstfeier, in der wir erinnern und sagen, wer Jesus ist. Und dazu die Begegnung untereinander, dass meine Sorgen, Fragen, Freuden auch vorkommen. Denn das die der Pfarrer in der Predigt alle anspricht, wäre ein ausgesprochenes Wunder. Also: die offene Atmosphäre soll zum „sich öffnen“ einladen. 

Und die Veranstaltungen darüberhinaus mögen das vertie­fen im Kreis Gleichaltriger, oder mit Leuten in ähnlicher Lebenssituation, die einander helfen und miteinander auf Suche gehen nach möglichen Antworten, damit das „Jesus ist der Retter“, wie es die Leute beim Einzug in Jerusalem schrei­en, konkret erfahrbar wird im eigenen Leben.

Hosianna, rufen sie – Gott, rette doch! 

Er rettet noch heute. Amen.