predigt

Jos.3,5-11+17

Einzug ist verheißene Land durch den Jordan

wir haben am Neujahrstag den Mann mit schlotternden Knien vor Augen gehabt – Josua nach dem Tod des Mose, der nun selbst vorangehen sollte.

Wie schon bei Mose, so trägt auch Josua seine Bedenken voran. Statt allein dem Wort und der Weisung Gottes zu folgen: Geht nun und ich führe euch! Schickt Josua Kund­schafter. Menschlich scheint das klug – dachte Mose ja auch. Aber die Erkenntnis über die möglichen Schwierig­keiten und Widerstände führten nur zu angsterfülltem Tu­mult und dann 40 Jahre in der Wüste umherirren, so dass keiner der ängstlich Zurückweichenden das verheißene Land sehen sollte. Und selbst Mose durfte es nur sehen, aber nicht mit hineingehen.

Josuas Kundschafter entdecken auch nur ein unlösbares Problem: die Festung Jericho. Dass sie dabei gerade bei einer Hure ins Haus gehen, benennt die Geschichte, und wir reiben uns vielleicht verwundert die Augen. Aber just diese Hure rettet den Kundschaftern das Leben. Sie rettet damit auch ihr Leben, denn sie weiß: wie Gott diese Leute mit Mose aus Ägypten und am Meer und durch die Wüste gerettet hat, so wird er auch jetzt mit ihnen sein.

Aus dem Bericht der Kundschafter gegenüber Josua ist dann nur aufgeschrieben, was diese Hure ihnen gesagt hat.

Nichts von der Festung, sondern die Bewohner seien feige geworden.

Vom Wunder mit dem Gang durch den Jordan erzählt uns der Predigttext. Ja, so wunderbar ist Gott. Und wer seinen Weisungen folgt, kommt ins verheißene Land.

Noch einmal: Ja, so wunderbar ist Gott. Und wer seinen Weisungen folgt, kommt ins verheißene Land.

Was ist für uns das „verheißene Land“, in das uns die Weisung Gottes führt?

Leute, die gerade ihre Hochzeit vorbereiten, würden vielleicht sagen: na die Ehe. Sehen das die Eheleute unter uns etwa anders? Oder ist Ehe doch nur Mittel zum Zweck der Fortpflanzung und Versorgungsleistung? Und der Werbe-Slogan vom Hochzeitstag als dem „schönsten Tag im Leben“ legt nahe, dass danach nur noch Abklatsch und „weniger“ kommt. Lassen wir die „Werbung“ beiseite und folgen der Weisung Gottes, die verbindliche Partnerschaft in Treue und Liebe ans Herz legt. Und wo dies im Leben gelingt, ist was vom Himmel auf Erden.

Der Himmel: Ich halte es nicht für eine Vertröstung, dass nach dem Jammertal auf Erden die himmlischen Freuden kommen. Ich halte das für die beste Perspektive in die Zu­kunft. Denn was immer wir planen und tun – wir kommen realistischerweise am Tod nicht vorbei. Und das war´s dann? Oder da beginnt etwas – durch den Tod hindurch das ewige Leben: Gemeinschaft mit Gott, wie Gott sie sich schon jetzt mit uns wünscht; Gerechtigkeit und Frie­den und eine Umwelt wie der Paradiesgarten, nach denen wir uns doch so sehr sehnen. Wahrhaftigkeit über meinem Leben, wo gelegentlich so viel Täuschung und Verwirrung und auch Schuld drüber liegt. Gottes verheißenes Land – der Himmel. Nicht das Verlorengehen ist die Perspektive, sondern Geborgenheit. Wer noch nicht dahin mit auf dem Weg ist, ist eingeladen, sich mit auf den Weg zu begeben.

Gottes Weisung in das verheißene Land, für glückliche  erfüllte Zeit; für persönliches Wohlergehen und gemein­schaftliches Glück – die 10 Gebote. Weisung für unse­ren Lebensalltag. Das tun, und niemand müsste hungern oder fliehen, einsam sein oder Not leiden, angstvoll auf­rüsten oder gierig ausbeuten. Wir hätten den Himmel auf Erden. Und darum beginnt Martin Luthers Kleiner Katechismus mit den 10 Geboten. Tu es und du wirst leben.

Naja, mit der Welt ist es eben schwierig, und die bösen an­deren – wenigstens das verheißene Land: die Kirche.

Na klar. Es ist doch schön - hier heute Vormittag. Es ist doch schön, einander weltweit zu begreifen als einmalige Gottes geliebte Geschöpfe. Es ist doch herrlich, miteinan­der den Schöpfer zu loben und Gemeinschaft zu feiern, und Brot und Wein miteinander zu teilen und darin Gottes Heil für jeden von uns zu erfahren.

Naja, vielleicht ja wäre die Kirche der Himmel auf Erden, wenn das Bodenpersonal nicht wäre, wenn Strukturreform nicht wäre – hmmm, wenn ich nicht wäre?

Übrigens haben wir heute einen Jubilar unter uns – kein Geburts- oder Hochzeitstag, sondern 50. Ordinationsjubi­läum. Und das passt doch gut zu „Kirche“. Es geht um Jo­hannes Schädlich – glücklich verheiratet und Familienva­ter, Opa, Fußballer und was nicht noch alles – und „Mann der Kirche“. Andere Studienwege verbaut lag wohl da die Berufung: über das Theologiestudium ins Pfarrerleben.

Das Leben „in den Dienst gestellt“, beauftragt, das Evan­gelium zur Sprache zu bringen, immer und überall! Und das geht zuweilen auch zu Lasten von Ehe und Familie, Hobby und Spaß. Aber man kann, wie man sieht, dabei fröhlich sein und bleiben und Freude haben am Leben wie am Dienst. Also: Dir, lieber Johannes, herzlichen Glückwunsch! Und noch mehr: Danke für deinen Dienst und die Dienstbereitschaft noch immer!

            (Und der Beifall jetzt ist für dich!)

Ist doch „himmlisch“ - oder?

Es zieht sich durch Gottes Verheißung an Abraham und Is­rael: Die Gemeinschaft – also dir und deinen Nachkom­men; dem Volk; in christlicher Sprache: alle Getauften – und nie „allein“. Also weg mit den individualistischen Heilsversprechen. Zum Menschsein gehört immer auch Gemeinschaft. Und Gemeinschaft ist nur, wenn jede und jeder darin persönlich wahrgenommen ist. Ja, das geht nicht ganz leicht und geht auch schief – darum ja auch die Erneuerung der Gemeinschaft in der Abendmahlsfeier – mit Gott und zugleich miteinander in Beziehung sein, oder dies wiederfinden in und mit dieser Feier. Himmlisch.

Und ich meine: das verheißene Land liegt nie hinter uns, sondern immer vor uns. Das hat „Verheißung“ so an sich, dass da was voraus liegt, ich etwas ergreifen, annehmen, leben, gestalten muss. Kein Schlaraffenland, sondern le­bendige Gemeinschaft und alltägliche Lebenserfahrung.

Ist das nicht himmlisch, wenn mein Leben auch so wert­voll ist und ich auch so einbezogen bin? Da geht nichts ohne mich oder ohne dich – jede und jeder einmalig wich­tig. Tatsächlich verheißungsvoll!

Geht jetzt in das verheißene Land – trotz der Festung Jericho und trotz der Barriere „Jordan“ - damals mit weit mehr Wasser als heutzutage …

Folgt meiner Weisung und geht los – so lauten Gottes Worte.

Und wir? Unser Leben ist die Antwort.

Amen.