predigtJesus ist auferstanden – was könnte das für mein Leben bedeuten?

Zunächst: Ich bleibe dran und verbunden im christlichen Glauben und mit Kirche. Denn Trägerin dieser Botschaft ist keine einzelne Person, sondern Trägerin dieser Botschaft ist die Kirche als die Gemeinschaft der glaubenden Getauften bzw. der getauft Glaubenden.

Ich gehöre ja nicht zur Kirche, weil da so nette Leute sind oder weil sich aus den Beziehungen für mich Vorteile er­geben – das kann ja auch alles sein … Aber die Zugehö­rigkeit liegt ja in der Taufe begründet als der Zusage Got­tes mir gegenüber. Und weil Gott treu ist, darum hat diese Zusage kein Verfallsdatum.

Und ich möchte eben nun nicht davon laufen, sondern mit dem verbunden bleiben, der für mich am Kreuz starb und der für mich eben auch lebt.

Christlicher Glaube erschöpft sich nicht im für-wahr-halten, sondern weil das für mich die Wahrheit ist: Jesus ist auferstanden und lebt, deswegen folgt für mich: dem bin und bleibe ich verbunden.

Ostern weckt meinen Glauben und vergewissert darin.

Jesus ist auferstanden – was könnte das für mein Leben bedeuten?

Ich darf hoffen, auch wenn es hoffnungslos scheint. Denn meine Hoffnung begründet sich ja nicht in dem, was mir vielleicht doch möglich sein könnte oder was andere ja auch erreicht haben oder was ich mir doch so sehr wün­sche, sondern: Hoffnung hat ihren Grund in der Auferste­hung Jesu. Der Tod hat nicht das letzte Wort – darum bleibt keine Situation hoffnungslos.

Freilich ist es eine Hoffnung, die durch den Tod hindurch geht. Also nicht: „es wird schon wieder“ und dann geht es weiter wie vorher oder wenigstens einigermaßen …

Die österliche Hoffnung kommt vom Himmel her. Da berührt der Himmel die Erde und erweckt zum Leben – vielleicht ja mit der Auferstehungshoffnung;

vielleicht ja mit dem Mut, die Lebenssituation anzuneh­men, auch wenn es dafür keinen Plan gibt und Zukunft un­gewiss ist;

vielleicht ja mit der Bereitschaft, sich auf Neues einzulas­sen, dem ich im Übrigen nicht traue;

vielleicht ja mit der Bereitschaft „loszulassen“ und zu vertrauen und sich überraschen zu lassen.

Hoffnung nimmt ja die Angst vor der Zukunft. Ostern weckt diese Hoffnung.

Jesus ist auferstanden – was könnte das für mein Leben bedeuten?

Ich muss keinen Turm bauen, der bis zum Himmel reicht, sondern in meiner Bedürftigkeit – in meiner Angst, Hilflo­sigkeit, Einsamkeit kommen die Engel auf der Himmels­leiter zu mir. Ja, wir mögen da an diese Jakob-Geschichte denken in Beth-El. Was uns da geschildert wird als ein Traum, das ist mir ein Bild für die Ostererfahrung. Das Scheitern des Jakob endet nicht in der Selbstaufgabe, Selbstzerstörung oder alles mit sich reißen – sondern er kann den langen Weg annehmen, der folgen wird. Ja er macht sich auf den Weg – nicht mehr auf der Flucht, son­dern den neuen Weg ins Leben. Mit seinem Betrug hatte er das Leben verspielt. Und Gott zeichnet in Beth-El nicht den gerissenen Betrüger aus; den, der es mit List geschafft hat, sondern Gott wendet sich dem „Toten“ zu, der einen Stein als Kissen hat. Klingt schon nach „Grablager“.

Ihr Lieben, Ostern ist und bleibt die Auferweckung des Gekreuzigten, Jesus von Nazaret, aus dem Tod ins ewige Leben. Das kann ich nur feiern und glauben und weiterer­zählen. Weiterezählen schmälert meine Hoffnung nicht, sondern be­stärkt sie durch die daraus erweckte Glaubens­gemeinschaft. Und Gemeinschaft bedeutet Leben. Amen.