predigtJes. 25, 6-9    Der Tod ist besiegt; Gott wischt die Tränen ab

Ihr Lieben – ich hoffe, dass das Mittagessen heute am Ostermontag dem göttlichen Versprechen im Bibelwort nahe kommt: Gutes Essen und bester Wein! So ganz fettig muss es für unsereinen gar nicht sein …
Manche haben während der letzten Fastenzeitwochen auf Fleisch verzichtet – da wird es ihnen heute um so besser schmecken. Und mit dem guten Essen – dem Festmahl – verbindet sich ja Wohlergehen und Geborgenheit.

Vielleicht läuft ihnen ja auch schon das Wasser im Mund zusammen …

Die Hörer der Festmahleinladung haben gerade schwerste Zeiten durch und schmerzhafte Erfahrungen. Dafür stehen die Tränen. Aber Schmerz und Leid und Angst sind nun vorbei. Und Gott selber wischt die Tränen ab und richtet die Gebeugten wieder auf. Gott selber macht Mut zum Leben und lädt zum Festessen.

Und die Eingeladenen und Getrösteten stimmen einen Jubelgesang an. Sie preisen ihren Gott, den HERRN, dafür dass er ihnen Heil geschaffen hat. Es war schlimm. Aber jetzt ist alles gut. Gott hat es gut gemacht.

Eigentlich kenne ich solche Worte und diese Bilder aus dem Neuen Testament. Die Offenbarung des Johannes be­schreibt in solchen Bildern „den neuen Himmel und die neue Erde“ – bzw. das neue Jerusalem, das aus dem Him­mel herab kommt. Und Jesus erzählt vom Himmelreich in den Gleichnissen vom großen Festmahl. Da sind Hunger und Not, Angst und Tod überwunden.

Aber schon im Alten Testament sind diese Bilder da und erklingt die Verheißung: Gott erweckt aus dem Tod.

Da sollte es uns doch gar nicht so schwer fallen, der Oster­botschaft zu glauben. Aber wir gleichen da wohl doch den Leuten, denen es erst wie Schuppen von den Augen fallen muss wie den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus, die be­zeichnenderweise beim Mahl – auch wenn es sehr einfach beschrieben ist mit Brot brechen – doch ihren HERRN er­kennen, den Auferstandenen.

Oder wir gleichen den Leuten, die unter der Decke stecken und nichts erkennen und nichts verstehen. Bei ihnen ist es finster unter der Decke. Und rausschauen ist unangenehm, denn es blendet das viele Licht.

Aber Gott wird diese Decke wegnehmen. Im Propheten­wort ist es die Völkerwelt, die den Gott Israels nicht kennt und seinen Weisungen nicht folgt, die aber zur Gotteser­kenntnis kommen wird.

In einem anderen Prophetenwort (im Kap. 2 bei Jesaja) versammeln sich die Völker auf dem Zionsberg und lernen die Weisungen Gottes; sie lernen Frieden statt Krieg; sie lernen Wohlergehen statt Terror, Angst und Schrecken.

Das Bild– mit der Decke verhüllt sein – gebraucht der Apostel Paulus im Römerbrief für seine jüdischen Mit­menschen, die, wie er selber früher ja auch, Christus nicht erkennen in dem Jesus von Nazaret, der gekreuzigt wurde und den Gott auferweckt hat. Und Paulus hofft darauf, dass Gott auch ihnen die Decke von den Augen nimmt und sie Christus erkennen mögen.

In den Ostergeschichten ist es keine Decke, unter der die Jüngerinnen und Jünger Jesu stecken und der Osterbot­schaft keinen Glauben schenken können, sondern da sind es die Tränen über Leiden und Tod; da ist es die Enttäu­schung, dass Jesus am Kreuz stirbt und nicht heldenhaft heruntersteigt; da ist es die Angst vor einem ähnlichen Schicksal mit Verrat, Spott, gequält werden und jämmer­lich sterben. Solche „schlechten Aussichten“ sind dicke Mauern mit verschlossenen Türen. Halten auch wir uns da versteckt? Oder eben haben uns dahin zurück gezogen, weil die Lebenserfahrung so enttäuschend ist?

Die Osterbotschaft, ihr Lieben, geht nicht an der Leider­fahrung vorbei, sondern sagt, dass der Tod Jesus nicht be­halten konnte; sie sagt, dass das Leid nicht das Letzte ist; sie sagt, dass die Liebe der Weg zum Leben ist. Sie sagt: Gott erwartet dich zum Festmahl – gutes Essen und guter Wein; und nicht im tränenverschmierten Gesicht, sondern Gott selbst wird die Tränen abwischen.

In den Ostergeschichten dann geht Jesus durch diese di­cken Mauern und verschlossenen Türen. ER spricht an mit Namen und bricht das Brot. ER reicht den Jüngern gebra­tenen Fisch. Mahlgemeinschaft als Os­tererfahrung.

Das Prophetenwort im Jesajabuch kündet vom neuen Anfang. Das ist doch nicht zu erwarten und steht in keines Menschen macht. Ja. Doch Gott tut es. Gott schenkt neues Leben. Gott schenkt sogar ewiges Leben.

Amen.