predigtJoh. 20,11-18
Der Evangelist Johannes erzählt vom Ostermorgen von Maria von Magdala als der ersten Auferstehungszeugin. Zunächst geht sie noch in der Dunkelheit zum Grab und findet das Grab offen. Sofort informiert sie die Jünger und Petrus und Johannes eilen zum Grab – und finden da nur noch die Grabtücher, sogar zusammengelegt … Die Jünger gehen wieder heim – Maria von Magdala bleibt. Der Evangelist erzählt:

Liebe Gemeinde, drei Gedanken möchte herausstellen:

  1. Wenn der Tote nicht mehr an seinem Platz ist …

Es ist wohl einfach so: Auferstehung passt nicht in unsere Lebenserfahrung. Tot ist tot. Man mag sich erinnern. Man mag Vorstellungen haben vom Totenreich, wo die Toten nun sind. Und wenn die Jünger eine Vorstellung von der Auferstehung hatten – Jesus hatte doch darüber z.B. mit den Sadduzäern diskutiert, die derartige Vorstellungen ab­lehnten – dann jedenfalls blieb doch der tote Körper zu­rück. Den konnte, den müsste man haben – wie eine Reli­quie. Aber die Auferweckung von den Toten ist kein „nur geistliches“ Geschehen, oder ist nicht das Weiterleben ei­nes unsterblichen Lichtfunkens oder Geistes in uns, son­dern tot heißt ganz tot. Und Auferstehung heißt: Gott er­weckt aus dem Tod zum ewigen Leben als ganzer Mensch in einer neuen Leiblichkeit. „Es wird gesät ver­weslich und wird auferstehen unverweslich“ – so hat es Paulus den Korinthern geschrieben. Die Identität zwischen dem Toten und dem Auferstandenen liegt im Namen.

Von Jesus wird es uns freilich anders erzählt: da ist der Leichnam weg. Warum? Weil es dabei um die Identität des Gekreuzigten mit dem Auferstandenen geht. In der Ge­schichte von Thomas dann wird der Auferstandene dem zweifelnden Jünger seine Wundmale zeigen. Und Thomas darf und „muss“ den Auferstandenen in seiner Identität mit dem Gekreuzigten berühren, indem seine Hände die Wundmale fühlen. Diese Geschichte steht sehr im Gegen­satz zu dem, was der Maria von Magdala gesagt wird: „rühr mich nicht an!“

Unsere Toten bestatten wir auf dem Friedhof, dass der irdene Leib wieder zu Erde werde, wovon er genommen ist. Und wir glauben und erhoffen die Auferstehung in einer neuen unverweslichen Leiblichkeit.

Um einen Menschen zu beschreiben, reicht uns die Leib­lichkeit nicht aus – sondern wir reden zugleich meist auch von Seele und Geist. Denn z.B. die Liebeeines Menschen ist nicht allein mit Leiblichkeit zu erfassen.

Damit zum zweiten Gedanken:

  1. in persönlicher Anrede offenbart sich Chris­tus.

Maria ist so traurig, weil sie ihre Liebe zu Jesus scheinbar nicht mehr zeigen kann. Was soll ihr die Grabstelle, wenn der Leichnam nicht mehr da ist? Schlimm genug, dass Ihr Jesus am Kreuz sterben musste – aber wenigstens den Leichnam möge man ihr lassen. Weil - z.B. auch wir brau­chen die Grabstelle zur Trauer.

Der Blick ins Grab allerdings, oder gar eine Verehrung des Leichnams steht der Begegnung und dem Erkennen des Auferstandenen im Wege. Denn ER ist da. ER ist bei Ma­ria. Aber für sie kann es nur der Gärtner sein  ...

Aber das ist unshoffentlich tröstlich: der Auferstandene begegnet am Ort und in der Situati­on unserer Trauer und Bestürzung. Nicht ich muss erst mal heraus aus meinem Leid, son­dern ER kommt hinein und begegnet in meinem Weinen. Gott ist und bleibt nah!

In ihren Tränen sieht bzw. erkennt Maria den Auferstande­nen nicht. Es steht nicht in unserer Macht, sondern es be­darf der Selbstoffenbarung Christi durch sein Wort. Durch seine Anre­de gehen Maria die Augen auf und das Herz.

Wiewohl Maria in ihren Tränen nicht erkennt und der Selbstoffenbarung Christi bedarf, so „sieht“ sie im Grab doch die Engel und ahnt und hofft „Gott im Spiel“.

Liebe Gemeinde, Auferstehung erschließt sich nicht logi­scherweise, sondern bedarf der Selbstoffenbarung Christi und daraus unseres Glaubens. Darum drittens:

  1. glauben statt anfassen

Thomas dann soll ausdrücklich berühren – Maria von Magdala darf nicht berühren. Innerhalb eines biblischen Kapitels doch ein Widerspruch. Oder doch nicht, weil es um jeweils Verschiedenes geht?

Thomas kann nicht glau­ben, dass der Gekreuzigte aufer­standen ist – vielleicht ja begenete den Jüngern ein „ande­rer“ … ? In ihrer Trauer ist vielleicht ihre Wahrnehmung gestört …?

Jedoch ist die Berührung der Wundmale kein Auferste­hungsbeweis. War Jesus am Kreuz vielleicht doch nur „scheintot“? So wird denn auch zu Thomas gesagt: „Selig sind, die nicht sehen, und doch glauben.“ Die Selbstoffen­barung des Auferstandenen entzieht sich irdischer „Be­weisbarkeit“. Zu glauben, dass Jesus, der Gekreuzigte, auferstan­den ist und in Ewigkeit lebt – dieser Glaube ent­zündet sich an dem „Wort“, das der Auferstandene zu uns spricht. Dieses „Maria“ wird zum Glauben weckenden Ruf und führt zur Erkenntnis. Glauben also, statt anfassen. Was wir freilich anfassen können, ist Maria von Magdala mit ihrem Christus- bzw. Auferstehungszeugnis. Sie geht dann zu den Jüngern und erzählt. Und die – glauben?

Eher nicht. Sie bleiben eingeschlossen und in Furcht.

Ich möchte hoffen, dass wir der Geschichte von Maria von Magdala und ihrem Zeugnis vom Auferstandenen „Glauben schenken“. Amen.

Gebet / Fürbitte:

Jesus Christus, deine Auferstehung feiern wir und freuen uns, dass Hass und Lüge, Gewalt und Tod nicht das letzte Wort be­halten haben, sondern Wahrhaftigkeit und Güte, Vergebung und Liebe in Kraft gesetzt sind für das Leben.

Jesus Christus, wir danken dir, dass du dich uns offenbart hast, dass du uns angesprochen hast in dem Zeugnis deiner Kirche, dem Wort der Bibel, dem Bekenntnis eines Mit­christen. In un­sere Tränen hinein, in unser Fragen hinein, in unsere Suche hinein, in unsere Selbstsicherheit hinein hast du uns angespro­chen und herausgerufen zum Glau­ben. Danke für die Hoff­nung, den Trost, die Gewissheit, die du so für unser Leben ge­stiftet hast.

Jesus Christus, wir beten für die Traurigen unter uns und die Verzweifelten, die Einsamen und die Suchenden, die Geschei­terten und die Enttäuschten und bitten um neuen Lebensmut. Lass in ihnen durch die Osterbotschaft das Feuer des Glaubens neu entbrennen.

Jesus Christus, wir beten für die Starken, Selbstsicheren, Er­folgreichen, dass sie deine Nähe und Fürsorge, deine Güte und Hilfe erkennen, dir danken und sich mit ihren Möglichkeiten für ihre Mitmenschen engagieren.

Jesus Christus, wir beten für die politisch, wirtschaftlich, ge­sellschaftlich Verantwortlichen, dass sie ihre Macht nicht miß­brauchen, sondern für Gerechtigkeit und Frieden sorgen, das Wohl aller im Blick haben und die Erde bewahren helfen. Lass uns und alle Wahlberechtigten in den kommenden Wahlen un­sere Stimme denMenschen geben, die in deinem Geist und Sinn ihr Amt verstehen.

Jesus Christus, wir beten für die Kirche und ihr Zeugnis in der und für die Welt. Erwecke uns aus Selbstzufriedenheit und Ängstlichkeit, aus Zerstrittenheit und Aktivismus zur ökumeni­schen Gemeinschaft der Kinder Gottes, die dei­nen Namen be­kennt und dich ehrt in allem, was sie unter­nimmt.

Jesus Christus, unser Heiland und Herr, in deiner Auferstehung hast du die Mächte des Todes überwunden. Erfülle uns mit deinem Geist, dass wir der Welt das Evangelium bringen und mit ihr leben.