predigt

Joh.10,11-16

Im Psalm 23 spricht David im Bild und als Bekenntniswort für Gott vom „Hirten“ und wie gut es ihm damit geht. Man möchte geradezu denselben Hirten haben oder in dieser Herde sein, um es auch so gut zu haben: umsorgt, begleitet, getröstet, beschenkt, geborgen.

Im Psalm 100 z.B. versteht sich ganz Israel als Volk Got­tes als „Schafe seiner Weide“. Das Bild ist nicht allein per­sönlich relevant, sondern auch gemeinschaftlich.

Und, liebe Gemeinde, persönlich wie auch gemeinschaft­lich sollte uns die Abendmahlsfeier eine solche Erfahrung sein, die uns inmitten der Herde doch ganz persönlich die Freundlichkeit Gottes erfahren lässt und wir uns darin ebenso zu diesem Hirten bekennen und zu dieser Herde gehören möchten.

Jesus, der gute Hirte– mit diesem Bild, liebe Gemeinde, verteidigt sich Jesus beim Fest der Tempelweihe in Jerusa­lem gegenüber dem Vorwurf, ein Eindringling und Durch­einanderbringer zu sein. Eben noch hat Jesus einem Blind­geborenen das Augenlicht geschenkt – freilich an einem Sabbat. Und der Blindgeborene war dann zum Teich Si­loah gegangen, um den Brei, dem ihm Jesus auf die Augen gelegt hatte, abzuwaschen. Derartige Wege sind am Sab­bat nicht vorgesehen. Was geschehen war, ist ja wunder­bar, aber es bringt alles durcheinander – da werden die Re­geln ausgehebelt. Jesus setzt sich über das Gesetz hinweg – das ist doch zerstörerisch. Da kann man dem Wunder nicht glauben und dieser Wundertäter ist gefährlich …

Jesus sagt zu seiner Selbstverteidigung zunächst – in den Versen vor dem gelesenen Textabschnitt: Ich kom­me durch die Tür. Ich schleiche mich nicht ein. Ich über­falle nicht und verstelle mich nicht. Ich komme nicht als Wolf im Schafspelz, sondern ich komme als der gute Hirte durch die Tür. Man möge also keine bösen Absichten unterstellen …

Ich würde das für uns heute übersetzen mit: wer uns das Evangelium bringt, der kommt zur Tür und klingelt oder klopft an; sagt, wer er ist und wo er herkommt und ist kein „Lockvogel“. Ich erfahre, mit wem ich es zu tun habe und worauf ich mich einlassen soll. Und es kommt zu mir als Einladung – nicht als ein Handel an der Tür.

Und für Kirche und Kirchgemeinde sollte es heißen: es geht offen und ehrlich zu, transparent und nicht mit Ver­trauensmissbrauch. Wir zeigen Gesicht und sind ansprech­bar auf das, was wir tun oder getan haben. Wir kommen durch die Tür …

Ein zweiter Gedanke:Man kennt sich und versteht ein­ander. Gott – Jesus – Volk Gottes: da kennt man sich. Man gehört zusammen. Man versteht sich.

Vielleicht klingt das jetzt etwas scharf, aber: das Evangeli­um fällt nicht vom Himmel, sondern es liegt auf der Linie der biblischen Botschaft – der alttestamentlichen und na­türlich um so mehr der neutestamentlichen. Wir müssen da nicht auf Sonderoffenbarungen aus sein – dass nun gerade jetzt jemandem von Gott etwas gezeigt wurde zur Rettung der Welt. Da würde ich biblisch sagen: Oh, das ist alles bekannt. Gott hat sich nicht bis jetzt „bedeckt gehalten“, sondern dieser Jesus Christus ist das lebendigeWort Got­tes; das eineWort Gottes, dem wir im Leben und Sterben vertrauen können.

Zwei Beispiele dazu: in der „Emmausgeschichte“ wird den traurig nach Emmaus laufenden Jüngern unterwegs aus Mose und allen Propheten Kreuz und Auferstehung Jesu erklärt. Und der Apostel Paulus wiederholt in seinem Osterzeugnis im 1.Korintherbrief, Kap.15, den Hinweis: „nach der Schrift“.  

Darum, liebe Gemeinde, ist es gut, wenn wir „die Schrift“ kennen und in der Bibel „verwurzelt“ sind. Sie wird uns helfen, die Stimme des guten Hirtenzu hören, und die heuchlerisch-verlockend-verführerischen Stimmen zu entlarven.

Und dabei ist nicht die Vernunft das Problem, sondern wenn wir die Vernunft ausschalten oder ausblenden sollen. Denn: Schrift, Überlieferung hat mit Vernunft zu tun – mit Texte lesen und verstehen. Das Problem liegt beim Hören. Und manchmal hören wir, was wir wollen, nicht, was ge­sagt ist und wird. Und da sollte man sich vernünftig dar­über austauschen. Weil das mit dem „Verstehen“ eben auch seine Schwierigkeiten hat. Aber wie gesagt: das liegt an uns, nicht an der Vernunft.

Solches Missverstehen ereignete sich ja auch zwischen Je­sus und „den Leuten“, die ihn am liebsten gleich steinigen würden. Was er sagt, irritiert sie. Was er tut, provoziert sie – selbst da, wo das Wunder zu greifen ist.

Man kennt sich und versteht einander– das kennen wir doch aus persönlicher Erfahrung: die vertraute Stimme.

In diesem Sinn sollte uns die Bibel die „vertraute“ Stimme

sein.

Und ein dritter Gedanke, geradezu unerlässlich, das noch mit zu erwähnen, was den guten Hirten Jesus „besonders“ macht: Er gibt sein Leben für die Schafe.

Nein, er ist nicht im Kampf gefallen, wie man das von He­roen erzählt; und nein, er hat sein Leben nicht weggewor­fen aus Überdruss oder Verzweiflung. Erblieb der Liebe treu. Er lief nicht davon, als der Becher des Leids auf ihn zukam. Er, der Gottessohn, ist so ganz Mensch, dass er als Irreführer verleumdet wird, und doch mit seiner Lebens­hingabe für uns zur Tür ins Himmelreich wird.

Ja, da ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen unter dem Himmel gegeben, in dem sie sollen selig werden, als allein der Name Jesus, der Christus.

Dasist der gute Hirte. Ihm zu folgen, das ist der Weg zum Leben - umsorgt, begleitet, getröstet, beschenkt, geborgen.

Amen.