predigtMt. 16, 13-19
An dieser Frage, liebe Gemeinde, scheiden sich die Geister: Wer ist Jesus?

„Man sagt, er war ein Gammler“ - so heißt ein Lied frühe­rer Jahre, das verschiedene Facetten der Person Jesus von Nazareth benannte: Redner mit Stil, Politiker, Heiler... um am Schluss zu bekennen wie Petrus in der biblischen Erzählung: „du bist der Sohn des Höchsten“ - Gottessohn.

Damit behauptete sich Petrus gegen die damals führenden religiösen Strömungen: Pharisäer und Sadduzäer. In unse­re kirchliche (einschränkend evangelische) Landschaft heute übersetzt vielleicht Vertreter der Volkskirche und Evangelikale. Natürlich verbindet die auch viel – wie bei Pharisäern und Sadduzäern auch, aber manchmal reichen Schwerpunktsetzungen, und der andere wird zum Gegner. Petrus seinerzeit: ihr schaut beide „zu kurz“, zu oberfläch­lich, wollt es nur nicht wahrhaben: dieser Jesus ist der Sohn Gottes. Naja – dann hätte er ja absolut das Sagen, wenn er mirdas ist: Sohn Gottes.

Petrus gibt damit auch Antwort auf wunderbare Erfahrun­gen: Heilungswunder, Speisungswunder, Naturwunder, wunderbare Grenzüberschreitungen zur vollen Anerken­nung von Frauen und Kindern und Ausländern – im wahrsten Sinn des Wortes: hin zur ganzen Welt und ohne die ängstlich-herrschaftlichen Abgrenzungen. Gott – je­denfalls der Gott, den Jesus „Vater im Himmel“ nennt, liebt weltumspannend alle Menschen als seine Geschöpfe und Kinder. Eine ziemliche Ausweitung des religiösen Verständnisses. Aber wir folgen ja auch keinem beeindru­ckenden Guru, sondern glauben Jesus, den Gottessohn.

Petrus behauptet sich mit seinem Bekenntnis auch gegen die alten und neuen Ab- und Ausgrenzungen – oder eben was rein und was unrein ist. Die guten Gedanken hinter diesen Unterscheidungen werden dabei ja nicht negiert, nur ihre Absolutsetzung aufgebrochen, die sonst die Liebe erstickt.

Wer ist Jesus?Petrus antwortet: der Gottessohn.  Ange­sichts dieser drei, der Petrusantwort vorausliegenden Fra­gerichtungen: nämlich der Frömmigkeitsprägung, der Ein­grenzungen, und der Ab- und Ausgrenzungen kann uns deutlich werden: Da steht Jesu darüber – eben als der Got­tessohn.

Diese Erkenntnis, nämlich in Jesus den Gottessohn zu glauben, das ist eben nun keine logische Schlussfolgerung oder methodische Ausarbeitung oder objektive und darin zwingende Gegebenheit, sondern dieser Glaube kommt zu uns durch den Heiligen Geist und damit durch Offenba­rung.

Die Wunder, die die Menschen erleben oder erzählt be­kommen, führen nicht zwingend zum Gottessohn. Die Grenzüberschreitungen Jesu und die Überwindung von Ab- und Ausgrenzungen führt auch nicht zwingend zum Gottessohn, sondern wird zum Ruf, einen Gotteslästerer los zu werden.

Wenn wir darum Jesus als Gottessohn bekennen und zur Kirche gehören, möchten wir uns nichts auf uns selbst ein­bilden. Denn diese Erkenntnis und Zugehörigkeit ist uns zuteil geworden; es wurde uns offenbartund geschenkt.

Pfingsten – da freuen wir uns, wenn schon sommerliche Temperaturen sind und die Natur gute Frucht angesetzt hat. In Israel ist schon Erntezeit. 7 Wochen nach dem Passafest ist Getreideernte ehe die große Hitze kommt und das ist der Grund für das Fest im Tempel. Gott schenkt uns Leben. Gott hat wachsen lassen. Wir haben viel gemacht, aber es wäre alles nichts, wenn nicht Gott hätte wachsen lassen.

So ist es mit uns als Kirche: Wir erzählen von Jesus. Wir feiern Gottesdienst. Wir gestalten unseren Altag aus dem christlichen Glauben heraus. Wir engagieren uns für unse­re Mitmenschen und mühen uns um Gerechtigkeit, Frie­den und Schöpfungsbewahrung. Und sind gelegentlich enttäuscht, dass so manche das gerne „mitnehmen“ und diese Selbstlosigkeit durchaus schätzen, aber deswegen selbst noch lange nicht dazugehören wollen. Und wir haben uns so viel Mühe gegeben …

Pfingsten sagt uns: der Heilige Geist offenbart Jesusals den Gottessohn; der Heilige Geist erweckt zur Kirche. Das Feuer muss vom Himmel kommen und das Herz entflam­men – alles andere ist Brandstiftung … Das beschränkt uns, ist aber wohl heilsam und auf diese Weise wird keiner für den anderen zum Herren über dessen Glaube.

Und es scheint: nur solche „bescheidenen Typen“, die sich Glauben und Leben schenken lassen und es anderen nicht überstülpen, sondern es bezeugen und dazu einladen, die kann Gott gut gebrauchen für die Kirche. Gott setzt nicht auf die Leistungsfähigkeit eines Menschen oder einer Gruppe oder ähnlichem – Gott setzt auf einen wie Petrus, der schon bald ein jämmerlicher Dreinschläger und Ver­leugner sein wird, aber der dem Zeugnis von Jesus als dem Gottessohn Glauben schenkt – und der später als der große Versager sich nicht in den Tod stürzt wie Judas, son­dern sich zu den Jüngern wagt und mit ihnen von dem Aufer­standenen besucht und zum Essen eingeladen wird. Tja, auf und mit solchen Typen baut der Gottessohn die Kirche. Und dabei tut der Heilige Geist das Entscheidene: Dieser Geist offenbart uns Jesus als den Gottessohn und erweckt uns zum Glauben.

Und schließlich bekommt Petrus den Schlüssel für den Himmel. Sieh an – so einer kann auf- oder zuschließen.

DU und ICH – wir sind Petrusse. Mit und durch uns geht bei anderen der Himmel auf oder der Zugang wird ver­stellt; wir schrecken ab oder laden ein; wir nehmen mit hinein und lassen uns herausfordern und verändern oder sortieren schön nach rein oder unrein, dazugehörig oder doch eigentlich fremd, aus Gottes Gnade eben ein Mann oder leider Frau oder noch Kind … Ja, wir können den Glauben beim anderen nicht machen – aber wir können im Wege stehen und abweisen oder können einladen und ab­holen und mitbringen und begleiten und Zutrauen haben und mittun lassen am Heiligsten: Jesus als den Gottessohn zu bekennen und darin die Liebe Gottes zu allen Men­schen spürbar werden zu lassen. Das haben wir in der Hand – vielleicht manchmal wie eine zu heiße Kartoffel, die wir einem anderen so auch nicht in den Mund stecken sollten, sondern eben auf den Teller legen und den Tisch dazu schön decken und beim Wein nicht geizen, und dabei glücklich sind, weil wir einen Gast liebevoll bedienen können. O ja, da haben wir einiges in der Hand. Nur manchmal leider verprellen wir unsere Mitmenschen oder spielen uns mit diesem Schlüssel in der Hand als Herren über sie auf … - ein fatales Missverständnis … Denn es geht um eine befreiende Wirkung.

Liebe Gemeinde: Wer ist Jesus? Das ist die Pfingstfestfra­ge. Die theologiegeschichtliche Einordnung und was Jesus von Nazaret wohl mit Johannes, Elia und Jeremia gemein­sam hat oder was sie doch auch unterscheidet, die finde ichzumindest spannend und interessant. Aber sie liefert uns nicht die entscheidende Antwort. Das macht der Heili­ge Geist. Er offenbart uns Jesus als den Gottessohn. Lasst uns dafür zu den Mitmenschen aus aller Welt wie in aller Welt, in und mit allen Kulturen Brücken bauenund Feste feiern, einladen und bezeugen und miteinander auf dem Wege sein und eben fleißig den Himmel aufschließen.

Das hat Jesus doch auch gemacht.

Amen.