predigt„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ - So ruft es der Prophet Sacharja seinen Zeitgenossen zu. Uns begleitet der Spruch durch die 1. Adventswoche …
Ach ja – sie hatten IHREN König – Gott, der aus der Knechtschaft befreit und in der Not errettet und ins Land der Verheißung geführt hat;
Gott, der durch Mose geredet hat; Gott im Himmel, der sich seinem Volk offenbart hat und sich Menschen mitten aus seinem Volk erwählte, die sein Sprachrohr waren und im Volk voran gingen.

Aber dann wollten sie sein wie alle Völker – und die hatten alle einen Menschen als König.

Was soll das, sagten die Kritiker: Gott ist unser König. Was werden denn Menschen als Könige tun? Steuern verlangen; Kriege führen, in denen eure Söhne umkommen; und sich eure Töchter zu Hofdamen nehmen. So sind doch die Könige auf Erden.

Naja - man wollte es so …

Es ging ja richtig gut mit König David. Der war zwar auch manchmal selbstgefällig, aber er hörte wenigstens doch auf Gottes Weisungen.

Seine Nachkommen waren da selbstherrlicher.

Und dann kamen die Babylonier und nahmen den König gefangen und brachten seine Kinder um und machten die Handwerker und Beamten, Schriftgelehrten und Priester zu Kriegsgefangenen in Babylon.

Und das Wunder? In Babylon entdeckten sie ihren Gott neu als König. Er ist doch der Schöpfer und Herr der Geschichte!

Dann kam der Perserkönig Kyrus, sogar „Gesalbter Gottes“, Messias genannt. Er zerbracht die Macht der Babylonier und schickte die Gefangenen zurück nach Jerusalem, dass sie die Stadt und den Tempel wieder aufbauten – die goldenen Tempelgeräte im Gepäck.

Ach, war das mühselig – der Weg und der Wiederaufbau.

Einen König hatten sie da nicht – außer Kyrus aus Persien?

Oder Gott – Ihr Himmels-König? Genau den meint Sacharja. Merke auf, empfange IHN: Gott kommt!

Und dann haben sie es tatsächlich geschafft mit dem Wiederaufbau der Stadt und dem Bau des Tempels in Jerusalem.

Gott ist nicht fern, sondern in unserer Mitte.

Wir feiern Advent – Gottes Ankommen.

Was habe ich da zu erwarten?

Das, was ich mir wünsche: einen Gerechten und Helfer.

Doch, Gerechtigkeit ist grundlegend wichtig. Einem jeden, einer jeden gerecht werden – die Würde achten, das Leben schützen, Gemeinschaft gestalten. So wird Friede sein.

Schluss mit Machtkämpfen und Herrschaft über andere, gewaltsamer Unterdrückung und Ausnutzen Schwächerer.

Mit Gott kommt Gerechtigkeit und Frieden.

Und: er ist ein Helfer.

Ach – ich schaff das schon alleine!

O ja, die Eitelkeit. Oder Selbstüberschätzung?

Wer selbst mal in Not war, versteht, was ein Helfer bedeutet.

Gott kommt zu helfen. Das wäre schön blöd, Gott außen vor zu lassen. Also: mach einfach die Tür auf und sag: herein bitte.

Nimm die Worte von Gott in dein Leben hinein – Worte, die sagen, wo es lang geht; Worte, die Mut machen; Worte, die dich wieder auf die Spur bringen; Worte, die die Vergangenheit gut sein lassen und in die Zukunft weisen.

Na, das lockt zum Singen, Tanzen, Jubeln: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“Amen.

Gebet & Fürbitte:

Komm, Gott, hinein in unseren Lebensalltag;

in unsere persönliche Selbstsicherheit oder auch Not;

in unser Fragen nach Sinn und unser Ringen um gute Lösungen;

in unseren Streit um Gerechtigkeit  und unser Herz voller Unfrieden;

in die Versuche von Deeskalation und Gewaltverzicht, Wiederaufbau und Versöhnung;

in die Trauer, weil wir liebe Menschen verloren haben oder weil Beziehungen zerbrochen sind.

Komm, Gott, hinein in unsere Weihnachtsvorbereitungen, Geschenkideen oder unsere eingeschränkten Möglichkeiten;

hinein in unsere Kirche, damit wir uns als Schwestern und Brüder erkennen und gemeinsam dich loben.

Komm hinein, Gott, in die Krankenstuben und vereinsamte Herzen. Komm mit Musik und Adventduft, guten Worten und durch Besuche, im Kerzenschein und in der Stille.

Hilf uns, HERR, dir stille zu halten, dich zu empfangen, dich und unsere Nächsten zu lieben, wie du uns liebst.

(Vaterunser)