predigtJohannes mit dem Beinamen „der Täufer“ - ein Aussteiger, ein Kritiker und gefragter Experte, der Messias?

Ehe wir dem Mann von vor 2000 Jahren nachsinnen, denke ich an Greta, die junge Schwedin, wie sie allein mit ihrem Plakat vor dem Reichstagsgebäude sitzt – und es wächst die Fridays-for-Future-Bewegung daraus und das Time-Magazin erklärt sie zur Person des Jahres, weil sie wie niemand anderes für ein weltweites Problem Aufmerksamkeit bewirkt habe.

Man wollte sie haben auf den Klima-Gipfeltreffen in New York und Madrid, und Komiker machen ihre Witze über sie und Politiker fühlen sich auf den Schlips getreten. Es will ja auch kein Er-wachsener von einem Kind hören: du machst meine Zukunft kaputt! Greta – das besorgte Mädchen zwischen Bewunderung und Verächtlichmachung.

Zurück zu Johannes – dem Aussteiger. Seine Verachtung für das politisch-religiöse Establishment seiner Zeit treibt ihn hin-aus in die Wüste. Da geht es elementar um das Leben. Niemand kann ihm nachreden, er kritisiere die Wohlstandsge-sellschaft während er davon profitiert. O nein. Wie einst bei Mose – in der Wüste unterwegs mit Gott – so geht Johannes hinaus in die Wüste. Keiner, der nur redet, sondern einer, der seine Überzeugung lebt.

Aussteiger gleich welcher Coleur haben eine gewisse Anzie-hungskraft. Sie wecken Neugier und bringen Spannung in den Alltag. Dabei steht Johannes in der Tradition alttestamentlicher Propheten. Er beruft sich nicht auf sie noch begründet er sein Verhalten damit – als Beobachter sehe ich ihn in dieser Tradition. Johannes weiß sich von Gott gerufen und kann nicht anders. Aber ich bin doch auch skeptisch – skeptisch gegen Verführung. Denn Gott ruft ins Leben und führt in die Freiheit und gestaltet das Miteinander in Gerechtigkeit. So schenkt Gott Frieden. Und Johannes?

Johannes ruft das Zorngericht Gottes aus und angesichts dessen zur Umkehr. Umkehren zur Rettung kann man nicht nur zum Schein, sondern nur mit ganzem Herzen und also ganzheitlichem Leben. Radikal umkehren!

Johannes, wie soll das gehen: alle raus in die Wüste? Alle essen Heuschrecken? Alle in Kamelhaarmänteln?

Johannes gibt praktische Hilfe: Als einer, der hat – Essen, Kleidung, Wohnung, Sozialfürsorge, Einkommen – teile mit dem, der nicht hat. Das befördert Leben und ein Miteinander in Frieden.

Und: handelt gerecht. Befolgt das Recht. Sucht nicht einen eigenen Vorteil und handelt nie zu eines anderen Nachteil.

Und: Handelt gewaltfrei. Übt keinen Zwang aus mit Gewalt oder durch Unrecht.

Die Botschaft des Johannes kam an. Es entstand eine Bewe-gung und er war in aller Munde. Und er blieb, wo er war und blieb kritisch. Und denen die Botschaft „ins Herz“ ging, die ließen sich taufen. Ihr verkehrtes Leben sollte das Wasser des Jordan abwaschen und sie gereinigt den neuen Weg gehen lassen.

Und der Fürst des Landes – wieder mal ein Machthaber eben – konnte die persönliche Kritik nicht ertragen und setzte Johan-nes gefangen.

Damals fragte man sich: ist er der Messias – dieser Johannes, der Täufer? Eingekerkert wird er bald enthauptet. Aber der Messias müsste doch Israel wieder aufrichten und auf dem Thron Davids sitzen – schade, er war es wohl doch noch nicht.

Gescheitert an der Gewalt der Mächtigen. Doch auch wenn sein Kopf auf einem Tablet serviert wurde – wie abscheulich – sein Geist, seine Worte, sein Lebensbeispiel blieben lebendig und im Zusammenhang der Jesusgeschichte wird uns von Johannes dem Täufer erzählt.

Weihnachten feiern wir das Kommen dessen, der, wie Johan-nes meinte, mit dem Heiligen Geist und mit Feuer tauft. Sein Kommen ist mit dem Täufer Johannes engstens verknüpft, nicht nur verwandtschaftlich, sondern vor allem inhaltlich mit dem Bußruf.

Umkehren – mein Leben ändern, unser Leben ändern, damit es Leben fördert – z.B. durch Wohlstand teilen; dass es Frieden wahrt durch Achtung des Rechtes und dem Tun des Gerechten; dass es Freiheit wahrt und Gewalt, Zwang, Unrecht lässt.

Eine bleibend wichtige Botschaft durch Johannes, den Täufer.

Amen.

Vater im Himmel, wir danken dir für Johannes, den Täufer, und sein Zeugnis. Als ein Wegweiser zu Christus hat er zur Umkehr gerufen.

Seine Botschaft finden wir im Evangelium von Jesus Christus wieder. Auch als Christen möchten wir auf seine Stimme hören und so Christus empfangen.

Leben befördern, indem wir die Güter dieser Erde miteinander teilen; Frieden befördern durch Gerechtigkeit; Freiheit befördern durch Gewaltlosigkeit – mit den Worten des Johannes rufst du, Gott, uns zum Leben.

Wir bitten: vergib uns, wo wir Wohlstand anhäuften statt zu teilen; wo wir unseren Vorteil gesucht oder ausgenutzt haben; wo wir andere gezwungen haben durch angeblich unser Recht oder mit Gewalt.

Vergib, HERR, wo wir in Ungerechtigkeit verstrickt sind und hilf uns zu Wahrhaftigkeit in unserer Umkehr.

Wir bitten, HERR, für unser Miteinander auch in den Tagen des Advent. Danke für den lebendigen Adventskalender in unserer Stadt mit den vielen herzlichen Begegnungen. Lass zu den Festvorberei-tungen auch das innere Bereitsein gelingen.

Wir denken vor dir, HERR, an Charlotte Uhlmann, geb. Vogel, die du im Alter von 94 Jahren heim gerufen hast in die Ewigkeit. Lass sie ruhen in deinem Frieden und hab Dank für ihre entwaffnende Freundlichkeit. Die um sie trauern, tröste durch die Auferstehungs-hoffnung.

Lass es uns gelingen, HERR, besonders in diesen Tagen Kranken, Einsamen, Suchenden, im Hamsterrad ihres Alltags Gestressten die Freundlichkeit Gottes spüren zu lassen durch Besuche und Gespräche, kritische Wahrhaftigkeit und freundliche Zuwendung, damit das Licht des Advent in Herzen erstrahle.

HERR, unser Gott, deiner Kirche erbarme dich, dass sie dich voller Liebe bezeugen und die Gemeinschaft der Kinder Gottes wahrhaftig in dieser Zeit und Welt leben kann. Hilf ihr, Friedensstifterin zu sein zur Ehre deines Namens heute und in Ewigkeit. Amen.