predigtMatth. 1, 18-25 

Jesus – Jeschua auf hebräisch/aramäisch – das heißt Hilfe oder Rettung. Die Namensgebung ist das Programm Gottes. In die-sem Jesus kommt Gott der Welt zu Hilfe. Dieser Jesus rettet.
Im Zeugnis des Matthäus ist dieser Jesus der „Gott mit uns“ - der Immanuel. Matthäus zitiert den Propheten Jesaja, um klar zu machen, wer dieser Jesus ist.

Wir fragen heute gerne: wer ist Jesus für mich? Und dann machen wir unsere eigene Einschätzung und Beschreibung, zumeist nach unserer Erfahrung. Das ist ein kleiner und we-sentlicher Unterschied, ob meine Erfahrung das Kriterium zur Beurteilung ist, oder aber die Verheißung Gottes. Ob und wie meine Erfahrung mit dem Wort der Verheißung zusammen passt, ist noch eine eigene Frage. Zunächst nur: was ist das Kriterium zur Beurteilung: Verheißung oder Erfahrung? Matthäus lädt uns ein, auf die Verheißung zu achten. Und das nachdrücklich: für ein noch nicht einmal geborenes Kind gibt es Null Erfahrung. Wenn wir die Geschichte hernehmen – und Matthäus tut es mit dem Verweis auf die Vorfahren – dann ist dieser Jesus ein Menschenkind, durchaus besonders als ein Nachkomme Davids. Da jedoch dieses Königsgeschlecht prak-tisch schon lange keine Rolle mehr spielt, muss man auch hier auf die Verheißung zurück greifen, dass nämlich einer seiner Nachkommen auf dem Thron sitzen wird – und das für immer so bleiben wird. Dieser Thron Davids ist seit 587 v.Chr. ver-waist. Aber die Verheißung hat ihren Grund ja nicht in der Er-fahrung, sondern in Gott. Und da wird die Erfahrung auch überholt, oder eben Gott erweckt zu Leben entgegen aller Er-fahrung. Es ist ja diese zum Leben erweckende Kraft, die Gott auszeichnet. Matthäus verkündet uns mit der Geburt Jesu die Erfüllung der Verheißung Gottes. Das will und soll uns zu glauben einladen; das möchte Gottvertrauen wecken.

Mit Weihnachten verbinden sich nicht nur für uns Erzgebirgler  schöne Erfahrungen, prägend besonders Kindheitserfahrungen von Krippenspielen und weißer Weihnacht, Geschenken und Essen, Lichtern und Düften. Das Weihnachtsfest ist angefüllt mit Erfahrungen und der Gefahr, dass da kein Platz mehr ist für die Verheißung. Was nicht hübsch ist, was nicht gemütlich ist, was nicht uns selbst bestätigend ist, wirkt störend und als Fremdkörper.

Das ist dieses Kind der Weihnacht aber: störend und fremd. Und wir haben das nötig – wir haben Jesus nötig, haben den Retter nötig.

Das verstört, noch dazu zu Weihnachten, dass ich Hilfe nötig habe. Wir gehen doch andersherum ran: wir haben Geschenke verdient. Wir waren doch ganz lieb. Ja und wir sind doch ganz besonders. Geschenke bekommen ist angemessen für unser Empfinden. Aber das Geschenk ist der Retter. O – ich habe da wohl ein Problem, eine Notlage, ich bin bedürftig? Wie un-weihnachtlich.

Die Botschaft ist: Gott verbündet sich mit uns, ja mit mir, damit ich und wir die Gemeinschaft mit Gott wiederfinden.

Im Traum des Josef wird die Bestimmung des Jesuskindes beschrieben mit: er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

Sünde – da haben wir dieses auch ganz unweihnachtliche, sperrige Wort, das die Entfremdung des Menschen von Gott beschreibt. Klar, es wirkt zuerst wie ein sich freischwimmen von Gott; raus aus diesen religiösen Bevormundungen. Wobei Gott und Religion schon sehr zu unterscheiden sind. Aber wie leicht werfen wir es zusammen und verwechseln Gott mit Reli-gion und umgekehrt. Dabei gehört doch Religion auf die Seite von uns Menschen. Es ist unsere Art, unseren Glauben darzu-stellen. Wir brauchen das – nur dürfen wir es nicht mit Gott verwechseln. Sünde hat mit diesem „verwechseln“ zu tun – dass wir Gott verwechseln mit etwas Irdisch-Menschlichem.

Wie nun: wenn ich auf Jesus schaue, dann sehe ich keinen Heiligenschein, sondern ein Menschenkind – ob niedlich oder nicht – jedenfalls bedürftig; bedürftig der Fürsorge und Liebe.

Gott lädt uns ein, fürsorgend und liebend umzugehen – mit den Mitmenschen, mit uns selber, mit der Erde als unserem Le-bensraum – eben so als wäre es dieses Kind.

Wenn ich auf Jesus schaue, dann sehe ich in diesem Kind ge-schenktes Leben und Hoffnung; Zukunftshoffnung, Hoffnung auf Leben. Oder steht da was entgegen in der Art und Weise wie ich oder wir leben? Dann wäre Umkehr dran – eine Um-kehr zum Leben, wenn denn die Perspektive unseres Tuns und Lassens tödlich ist.

Vielleicht ja bieten die Feiertage Gelegenheit nicht allein zu Festessen, sondern auch zu solchem „zur Besinnung kommen“ über Bedürftigkeit und Hoffnung, Erfahrung und Verheißung.

Mit dem, was diese 4 Worte meinen – Bedürftigkeit und Hoff-nung, Erfahrung und Verheißung – wollen wir dann Abend-mahl feiern – das Fest, das dieser Jesus uns gestiftet hat:

wir haben Hunger – wenn wir teilen, werden wir alle satt; und nicht die Menge machts, sondern die Verheißung, der wir glauben.

Wir erfahren Gemeinschaft, die in Christus gründet, als die begnadigten Sünder. Ich habe da meinen Nachbarn zur Rech-ten oder zur Linken nichts voraus und stehe in nichts nach. Wir leben miteinander aus dem Zuspruch: für dich gegeben.

Was morgen sein wird, wissen wir nicht. Grund zur Sorge ist da – aber unsere Sorge bessert nichts – Gottvertrauen schon. Das hebt die Fürsorge ja nicht auf, befreit aber von unnützer Vorsorge.

Gelegentlich meinen wir, ich könnte allein leben – naja, mit genügend Geld jedenfalls. Ein fataler Irrtum. Wir brauchen einander als Mitmenschen. Die Abendmahlsfeier und mithin Jesus lehrt uns Gemeinschaft – im Vertrauen zueinander und mit Schritten zur Versöhnung hat das Leben Perspektive.

In dem allen werden wir frei von den fatalen Verwechslungen, die wir auch Sünde nennen. Wenn wir in und mit dieser Feier auf Christus hören, erfahren wir Befreiung – genau so wie Matthäus schreibt, dass dieser Jesus rettet, wie sein Name sagt.

Da ist Weihnachten. Das ist Weihnachten.

Amen.

Fürbitte mit Kyrie EG 178.9:

Jesus – Sohn der Maria, Gottessohn – uns der Christus Gottes,

danke für dein Kommen hinein in unsere Welt und hinein in unser Leben. Du stiftest uns die Gemeinschaft mit Gott. So machst du Frieden für unser Herz.

            Kyrie-Gesang

Jesus – Sohn der Maria, Gottessohn – uns der Christus Gottes,

komme zu den Einsamen, Kranken, Sterbenden. Komme zu den Verzagten, Verzweifelten, Suchenden. Komme zu den Armen, Schwachen, Niedergeschlagenen und richte sie auf auch durch unsere Besuche, Worte, Hilfe.

            Kyrie-Gesang

Jesus – Sohn der Maria, Gottessohn – uns der Christus Gottes,

komme zu den Starken, Selbstgerechten, Selbstgefälligen. Komme zu den Reichen, Herrschenden, Regierenden. Komme zu den Mana-gern, Politikern, Verantwortungsträgern und leite sie zum Frieden durch deinen Geist und lass uns Schritte zum Frieden gehen.

            Kyrie-Gesang

Jesus – Sohn der Maria, Gottessohn – uns der Christus Gottes,

komme zu den Kleinen, den Kindern, den Bedürftigen. Komme zu den Sanften, den Barmherzigen, den Gütigen. Komme zu den Geduldigen, den Vertrauenden, den Mitmenschlichen und erfülle an ihnen und durch sie deine Verheißung.

            Kyrie-Gesang

Jesus – Sohn der Maria, Gottessohn – uns der Christus Gottes,

offenbare dich in und durch deine Kirche. Erweise dich als der Lebendige in unserem Bemühen um Recht und Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung, und die Bewahrung deiner Schöpfung.

Erweise dich in unserem Miteinander als der HERR.

            Kyrie-Gesang

Jesus – Sohn der Maria, Gottessohn – uns der Christus Gottes,

Brückenbauer und Versöhner, Retter und Heiland, heile uns. Amen.