predigtJoh. 14, 1-6 

„Und wo geht es hin in diesem Jahr?“

Vermutlich bekäme ich auf die Frage als Antwort ein Urlaubsziel. Vielleicht ist das ja dasselbe wie in den letzetn 20 Jahren – das Ver-traute, Gewohnte, einfach entspannend; oder noch weiter weg, ver-rückter, herausfordernder als je – Spannung pur! So unterschiedlich könnte die Urlaubsantwort ausfallen, mit einem Lächeln dazu …

„Und wo geht es hin in diesem Jahr?“ - das könnte auf die Struk-tur-Region in unserer Landeskirche gemünzt gefragt werden. Zwar traue ich mir diese Frage noch nicht so richtig, weil es eben nicht spielend leicht zur getroffenen Strukturentscheidung ging, sondern – im Bild gesprochen - manches Kopfschütteln dabei war. Aber na-türlich ist das die Frage, weil diese Struktruentscheidung kein Fix-punkt ist, sondern eine Entscheidung für einen Weg mit bestimmten Voraussetzungen und Erwartungen – vielleicht unausgesprochen unheimlichen Erwartungen. Naja, einen nächsten Schritt haben wir ja: Vertragsunterzeichnung Ende Januar. Und dann warten wir ab bis zum 1.1.2021, dem Vertragsbeginn – oder bereiten das vor und der Vertragsbeginn wird ein Fest? Wo wird es hingehen?

„Und wo geht es hin in diesem Jahr?“ - mal ganz persönlich gefragt. Der einen, dem anderen steht, wenn alles gut läuft, ein erwünschter Wechsel bevor – oder ein angsterfüllter? Wechsel, die mit Lebensalter zusammenhängen und da eben kommen – oder worauf jemand hingearbeitet hat – also Früchte vieler Mühe ernten wird.

„Und wo geht es hin in diesem Jahr?“ - das könnte auch die Frage sein nach der Gemeindeausfahrt oder die nach irgendwelchen „Sonderaufgaben“ oder Sonderwünschen.

Nur „Und wo gehst du hin?“ - das ist im Bibelwort die Frage an Jesus. Abschiedsstimmung – und das zum Neuen Jahr …. Aber Jesus sieht es deutlich vor sich und redet davon und macht seine Jünger damit vertraut, dass es Veränderung geben wird. Den Jün-gern macht das Angst.

Vielen von uns machen Veränderungen Angst. Es geht uns wie den Jüngern Jesu auch. Vielleicht gelingt es uns aber in dieser illustren Gesellschaft nach dem zu fragen, was beständig bleibt. Mit den Worten Jesu: Glaubt an Gott und glaubt an mich – denn in mei-nes Vaters Haus sind viele Wohnungen, und ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; und niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Was bleibt beständig?

  1. die Gottesbeziehung.
  2. die Einladung und das offene Haus
  3. der Weg zum Ziel

Gehen wir dem kurz nach – vom letzten her …

Der Weg, der zum Ziel führt, muss weder erst erfunden noch viel-leicht entwickelt und gebaut werden. Dieser Weg zum Ziel ist klar bezeichnet und heißt: Jesus, der Christus. Das ist der Weg, den wir gehen können und sollen. Und es ist ein Weg, der nicht formal be-schrieben ist mit Höhenmetern, Sonderprüfungen, Gefahrenmomen-ten und dergleichen, sondern der personal beschrieben ist. Es ist also dein oder mein oder eines anderen Lebensweg mit Jesus, dem Christus.

Damit kommen wir zum ersten Stichpunkt: glauben als Beschrei-bung für die Gottesbeziehung.

„Ich glaube Gott“ - das heißt doch: dann kommt mein Leben von Gott her und geht zu Gott hin – Gott ist für mich und mein Leben Anfang und Ende. Gottes Idee für mich und sein ins Leben rufen liegt meinem gezeugt worden sein voraus; und wenn es heißen wird „Erde zu Erde“, dann ist es Gottes Acker und Gottes Erde.

„Ich glaube Gott“ - das heißt doch: ich gebe Gott recht. Freilich – ich tue das als sehr kritischer Mensch, der sich nicht täuschen noch getäuscht werden will. Ich will nichts und niemandem auf den Leim gehen – also bin ich und bleibe ich kritisch. Und gebe als solcher Gott recht und akzeptiere mich als Geschöpf Gottes, und Erde und Kosmos als Schöpfung Gottes. So kritisch gebe ich Gott recht, dass ER das letzte Wort haben wird über mein Leben – das habe weder ich noch andere. Dem Urteil Gottes ist und bleibt alles unterworfen. Das setzt unheimlich frei und liefert zugleich ganz aus an Gott.

Dass das nicht beängstigend ist, liegt an Punkt 2: die Einladung und das offene Haus.

Was ich durch Jesus, den Christus, von Gott erfahre und was mir von ihm her widerfährt, ist die Gotteskindschaft – dargestellt in der Taufe. Das ist der Schlüssel zum Vaterhaus – die Wahrheit der Taufe: Gott sieht mich in Jesus Christus als sein Kind; oder anders gesagt: Mit dem Taufkleid ist freier Zutritt im Haus Gottes. Und das ist so, weil das Taufkleid das Kleid der Gerechtigkeit Christi ist.  Christus angezogen bedeutet freien Zutritt.

Und es ist diese Einladung ins himmtlische Vaterhaus, die Jesus ver-kündigt hat, die die Bibel bezeugt und die Kirche weiterzusagen hat. Diese offene Einladung setzt eine geradezu grenzenlose Gottesliebe voraus. Naja – auch Gott ist „verrückt“ nach seinen Kindern. Er gibt sie frei, weil er ihnen vertraut und Kindschaft in dieser freien Ver-antwortung sieht. Und er freut sich, wenn seine Kinder im Bewusst-sein des Himmels und nach dem Maß göttlicher Liebe handeln.

Glauben ist so befreiend von Angst, ermutigend zu lieben, begrün-det Menschlichkeit durch Beziehung.

Dass wir am Anfang dieses neuen Jahres daran erinnert werden und es in der Abendmahlsfeier begehen und Glaube und Christus und das offene Vaterhaus erfahrbar werden, ist doch wohl ein guter An-fang. Und wo immer es hingehen wird – Gott hat sich uns verbun-den in Jesus Christus. Damit steht das himmlische Vaterhaus offen und  der Weg ist nicht formal, sondern Christus Jesus glaubend. Amen.