predigt2. Mose 13, 2022

War es das – ein Jahr der Nachfolge?

Wir reden bei Nachfolge gewöhnlich von Jesus und Jünger Jesu sein. Jesus rief doch Jünger in die Nachfolge mit „Folge mir nach“. Und dann ließen sie alles stehen und liegen und zogen mit ihm – oder gingen traurig weg, auch das wird ja erzählt.

Ich habe aber eben aus der Geschichte Israels gelesen und wie da Gott auf dem Weg durch die Wüste vorneweg ging. Der unsichtbare Gott Israels verborgen im Feuer oder in einer Wolke. Er ist und bleibt auch verborgen. Und wenn sich Gott in Wundern offenbart, dann ist es ja doch so, dass man die meist rettende Wirkung eben Gott zuschreibt. Der Glaube sieht und bekennt das Wunder – andere wundern sich nur und freuen sich über ihr besonderes Glück.

Das Voranweggehen Gottes in der Wolken bzw. Feuersäule ist insofern besonders interessant, weil eigentlich doch Mose voran geht und das Gottesvolk führt. Mose mit der Beauftragung aus der Selbstoffenbarung Gottes heraus, tritt hier zurück. Zumal der Weg durch die Nacht auch für Mose keine Chance gewesen wäre … Um so stärker wird in der Erzählung vom Auszug aus Ägypten und die Befreiung aus der Knechtschaft Gott selbst zum Befreier und Wegweiser für sein Volk.

Die Erinnerung an diese besondere Führung und Begleitung in der Geschichte Israels wird für uns zum Jahresende zur Frage:

War es das – ein Jahr der Nachfolge?

Oder was hat mir den Weg durch die Nacht gezeigt und woran konnte ich mich tagsüber orientieren, um die Richtung nicht aus dem Auge zu verlieren und mich nicht zu verlaufen?

Fragen wir also nach den Leuchtfeuern und dunklen Wolken im Laufe dieses Jahres:

Die KlimaFrage steht im Raum und ist im Verlauf des Jahres geradezu zur Überlebensfrage geworden. Aber werden wir den Weg der Schöpfungsbewahrung gehen, oder folgen wir verlokkenden Zielen mit weniger Mühe und schnellerem Erfolg? Kann es denn so beschwerlich und weit sein ins Land der Freiheit, in dem Milch und Honig fließen?

Uns auf die noch einmal anders neue Kirchenstruktur einzulassen, nötigte man uns in diesem Jahr. Ein Leuchtfeuer? Oder doch eher dunkle Wolken, denen zu folgen uns ein „sich neu einlassen“ abgenötigt wurde.

Das Jugenddankopfer im Sonderzweck zur Befreiung von KinderSklaven. Unglaublich – was ist das denn … Was es da über Ghana zu sehen gibt, ist mehr als verstörend an von Menschen gemachtem Elend. Und was dabei alles ins Meer gelangt oder in die Atmosphäre, tötet alles und fällt auf uns zurück. Giftwolken eben.

Dunkle Wolken, die uns anzeigen, wo wir was tun müssen.

Und die Leuchtfeuer?

Ist es das Geld, das für unser Orgelbauprojekt zufließt und der Baubeginn? Sind es schöne Gottesdienste, Gemeindefest und Rüstzeiten vielleicht, die uns aufgebaut und ermutigt haben?

Oder war es das eigene Dranbleiben am Beten, als sich die persönliche Lebenssituation verdunkelte und kein Land mehr in Sicht war? Vielleicht ja auch ein aufmunterndes Schulterklopfen und Mitstreiter finden für die Sache, die allein nie zu meistern ist? War es die Erinnerung an den Mauerfall vor 30 Jahren und das Gefühl der Befreiung, Erleichterung und glücklicher Zusammengehörigkeit?

Waren es Worte, Begegnungen, Besuche, die gewiss gemacht haben, wo es lang geht? Oder leuchtete dann und wann ein Traum auf und mit ihm Hoffnung und die Kraft, nicht aufzugeben.

Wenn es Nacht um uns ist, sind Leuchtfeuer wichtig, damit wir den Weg finden und gehen können.

Ob es das nun war – ein Jahr der Nachfolge? Eine Antwort würde eine menschliche Einschätzung und Beurteilung zu absolut setzen. Daher mag mir und uns die Frage bleiben und auch mitgehen ins neue Jahr – dass es ein Jahr der Nachfolge Christi werden möge.

Seien es nun Wolken oder Feuer – auf dem Weg bleiben möchten wir. Die Vergewisserung darin fand Israel auf dem Weg einmal in den Weisungen Gottes für das Leben, die Gott Mose gesagt und dieser dem Volk weitergegeben hatte. Worte in Stein gemeißelt, damit wir die Buchstaben nicht verdrehen und sie durch den Geist der Freiheit zum Leben erwecken.

Die Vergewisserung darin fand Israel auf dem Weg zudem durch die Bundeslade und das heilige Zelt – Symbole, die auf Gottes Anwesenheit verweisen und zugleich Gottes Unverfügbarkeit und unser „auf dem Weg sein“ verdeutlichen.

Und als ein drittes: Vergewisserung fand Israel auf dem Weg durch Erzählen und erinnernde Feste.

Es muss und darf für uns Christen nicht auf die Gottesdienstfeier reduziert werden – aber diese Elemente finden sich darin: Das Erzählen von den Taten Gottes; und das Fragen nach den Weisungen Gottes für unseren Lebensalltag; das Heraustreten aus unseren Häusern und Wohnungen und das sich versammeln im „heiligen Zelt“ - trotz der festen Kirchenmauern - als dem „unverfügbaren Raum für Gott mitten unter uns“; und dass wir das erinnernde Fest begehen und Abendmahl feiern. Und für sich und ganz persönlich kann das wiederum ein Leuchtfeuer sein im persönlichen Dunkel, fragendem Zweifel, quälender Angst. Wir werden auch im neuen Jahr nichts anderes und nicht mehr haben als dieses: dem unsichtbaren wie unverfügbaren Gott zu folgen und im Vertrauen unsere Schritte zu wagen; dem Zeugnis von der Auferstehung und dem HERR-sein des gekreuzigten Jesus von Nazaret zu glauben, ohne zu sehen; und von dem Ruf in die Freiheit der Kinder Gottes nicht wieder umzukehren zu den Fleischtöpfen der Knechtschaft. Und es wird so bleiben: für das Tagesgeschäft und dass wir da fokussiert bleiben, müssen wir auf die Wolke achten – auch die Wolken, die für unser Leben und Miteinander herauf ziehen, damit wir uns nicht verirren; und dass wir in den Nächten dem Leuchtfeuer folgen – dem bezeugten und erfahrenen Licht nach dem Wort der Verheißung, dass in dem Kind in der Krippe im Stall der Heiland der Welt geboren ist.

Amen.

Fürbitte mit „HERR, erhöe uns“ - SvH 037

Vater im Himmel, du bist zu uns gekommen, um aus Knechtschaft und Angst zu befreien und uns dahin zu bringen, wo Milch und Honig fließen und wo wir ohne aufzuschrecken leben könnten. Führe uns, HERR, ins Land deiner Verheißung – darum bitten wir:

Krieg und Terror, Hass und Gewalt, Gier und Umweltzerstörung, Unrecht und Ausbeutung scheinen gewinnversprechend. Hilf uns, HERR, durch deinen Geist, dass wir für Recht und Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung, Schöpfungsbewahrung und weltweiter Fürsorge einstehen und ihnen Gestalt geben. Darum bitten wir:

Schuld und Versagen machen es uns schwer. Die Angst, zu kurz zu kommen, und die Sorge um übermorgen lähmen uns, das heute Mögliche und Notwendende zu tun. Lass uns in der Gemeinschaft deiner Kirche Geborgenheit und Ermutigung finden, Freiheit und ein Lernfeld, dass wir mit unseren Talenten dich ehren und bezeugen. Darum bitten wir:

HERR, du weißt um Kranke und Sterbende, Einsame und Verzagte, Verbitterte und Enttäuschte, Überforderte und Überfordernde. Hilf uns durch deinen Geist füreinander da zu sein und miteinander Verantwortung wahr zu übernehmen. Darum bitten wir:

Wir danken dir, HERR, für allen Segen im zu Ende gehenden Jahr.

Danke für Freude und Bewahrung, Versöhnung und Schaffenskraft. Hilf uns durch deinen Geist, mit unserem Scheitern klar zu kommen und im Erfolg dich nicht zu vergessen.

Bleibe uns auch im neuen Jahr zugewandt in Güte und Treue, Liebe und Erbarmen – darum bitten wir:

Amen.