predigt1.Mose 3, 1-19

Ich möchte gerne 3 Anregungen zu bedenken geben:

1. Die böse Schlange oder das wankende Herz?

Wir kennen das: der, die war´s. Jedenfalls ich war´s nicht. Es liegt an den Umständen, an den Eigentumsverhältnissen, an den Kindheitserfahrungen und und und. Es liegt an dieser bösen Stimme, dieser Schlange. Die Schlange ist an allem schuld – oder doch nicht?

Zeigt uns nicht die Jesusgeschichte, dass man den Versucher in die Schranken weisen, ja abweisen kann? Wissen wir denn nicht selber, dass wir NEIN sagen können zu den Anstiftungen zu Unwahrheit, Ungerechtigkeit, Unfrieden? Wir könnten, wenn wir – hmmm: wollen? Wenn wir immer neu das Leben wählen statt eines vermeintlichen „mehr“? Wenn wir nicht Gott in Zweifel ziehen, sondern die Einflüsterungen. Wenn ...

Wer meint, dass in ihm selber soetwas nie geschehen kann, dass da Begehren sich meldet, Neid aufsteigt, Hass erregt, Wut ent-brennt, Ehrgeiz lockt und ähnliches, der täuscht sich wohl über sich selber. Und wenn uns dann die Augen aufgehen, stehen wir vermutlich nackt da, möchten uns verstecken und laufen davon.

Also, statt über die böse Schlange her zu ziehen – in der Geschi-chte hat sich das dann fokussiert auf die Frau und Sexualität – mögen wir uns selber kritisch befragen: Was habe ich falsch gemacht? Welcher Stimme bin ich da „auf den Leim gegangen“?

Die 2. Anregung mit der Bitte, sie zu bedenken:

Wir sollten uns nicht täuschen über die tödlichen Folgen aus den verführerischen Einflüsterungen.

Das hört sich nicht gut an in der Geschichte mit dem Fluch über dem Acker, mühevoll-schweißtreibender Lebensfürsorge, schmerzvoller Geburt, dem beständigen herausgefordert sein durch Versuchungen. Und wie die Bibel im nächsten Kapitel erzählt: da ist der Brudermord nicht weit. Wie erschreckend viel davon erleben wir in unseren Tagen. Die humanitären Katastrophen unserer Tage fallen nicht vom Himmel, sondern sind „menschengemacht“ - gegenwärtig oder auch in längst vergangenen Jahren: dass Ausbeutung, Herrschsucht, Gier, Überheblichkeit, Gewalt und Hass ihre fatalen Folgen zeitigen.

Wenn wir die Erde verbrauchen, statt auf ihr und mit ihr zu le-ben, dann laden wir den Fluch auf uns. Wenn wir auf Überle-genheit setzen und uns für besser halten, wenn wir Ungerech-tigkeit in Kauf nehmen, indem wir das ich vor das wir setzen, statt ihnen beiden gerecht zu werden; wenn wir für uns bean-spruchen und gleichzeitig anderen vorenthalten; ja und wenn wir unsere Hände in Unschuld waschen statt Verantwortung zu übernehmen – ja dann fällt das tödlich auf uns zurück. Und wenn wir bei uns wie weltweit im politischen Diskurs Wahr-haftigkeit verlassen, Gerechtigkeit verlassen, Mitmenschlich-keit verlassen und eben die Würde eines jeden anderen nicht achten wie die unsere, dann fällt das tödlich auf uns zurück – das können wir an der alten biblischen Geschichte lernen.

Sie beschreibt nämlich nicht, was irgendwann in grauer Vorzeit geschehen sein mag, sondern sie beschreibt, was uns und unser Menschsein grundlegend betrifft.

Meine dritte Anregung aus dieser Geschichte:

Gott sucht – Gott stellt zur Rede – Gott will das Leben.

Wie wundervoll poetisch: „sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war“.

Gott macht nicht Jagd auf den Menschen, sondern sucht ihn auf, sucht und ruft nach ihm – dem sich seiner seiner selbst in seiner Nacktheit auf einmal schämenden und noch immer sein  Tun leugnenden Menschen. Gott macht sich zum Menschen hin auf – und der läuft weg und versteckt sich – versteckt sich hinter der Beschuldigung des anderen, versteckt sich hinter seiner Verantwortungslosigkeit. Gott geht nicht auf Jagd nach uns, sondern geht uns nach. Ob wir uns stellen?

Gott, der doch alles weiß – der doch weiß, wo der Mensch ge-rade ist und was er getan hat – dieser Gott fragt. Gott behan-delt den Sünder menschlich; gibt die Chance, sich zu erklären und dabei reinen Tisch zu machen; gibt die Chance, umzukehren. Aber dazu muss klar sein und geklärt werden, wovon ich um-kehre. Die eigene Schuld benennen, bekennen, eingestehen und bereuen – das sind die Schritte zur Vergebung und einem Neuan-fang. Gott sucht in dieser Weise nach uns. Wir sollten diese Chance nicht vertun, wie sie in der Geschichte vertan wurde.

Zum Schluss, liebe Gemeinde,

manche regen sich auf über diese Geschichte und dass der Mensch damit als Sünder angesprochen wird; eben so negativ.

Und auch, dass Gott so furchtbar straft – eine Frucht vom Baum mal probiert und für immer wachsen Disteln und Dornen und gibt es Geburtsschmerzen, und ist für den Lebensunterhalt sorgen schweißtreibend und bleibt die Auseinandersetzung mit der ver-führerischen Stimme. Ist das nicht „unverhältnismäßig“? Dieser Gott … Und dann noch, dass der Mann über die Frau herrscht – einfach so festgeschrieben ...

Naja: Komisch ist doch, nicht fragen: Was habe ich getan?

Und die Schöpfungserzählung – wie es von Gott gedacht ist – die ist paradiesisch. Was also hat das mit mir zu tun?

Gott sucht uns auf. Gott fragt nach. Komisch wäre, wenn wir der Begegnung mit Gott ausweichen. Amen.

Fürbitte:

HERR, unser Gott, der du uns geschaffen hast und durch Jesus Christus befreit hast – bitte bleibe auf der Suche nach uns und lass uns nicht nackt und voller Angst zurück.

Danke für Versöhnung und Befreiung an deinem Tisch.

Danke für das helfende Gespräch untereinander – vielleicht auch dann beim Kirchenkaffee – damit wir ermutigt werden, den verführerischen Stimmen zu widerstehen.

 

Wir bitten, HERR, für unsere Kirche; den neugewählten Landes-bischof Tobias Bilz; die bevorstehende Wahl zur Landessynode;

die Gemeinden in ihren neuen regionalen Zusammensetzungen.   Hilf uns durch deinen Geist, dass wir Salz der Erde und Licht der Welt sind und wir ein Beispiel sind für versöhntes Miteinander.

Und wir beten, HERR, für unsere römisch-katholischen Ge-schwister und ihren synodalen Weg; unsere evangelisch-metho-distischen Geschwister auf der Suche nach Wahrheit und Liebe.

Wir beten, HERR, für unsere heimgegangenen Gemeindeglieder Heinz Arnold, 89 Jahre alt, und Gertraude Kleez, geb. Rößler, 99 Jahre alt, dass sie ruhen in deinem Frieden. Danke für ihre erfüll-te Lebenszeit, ihren Glauben, ihr Hoffen und Lieben.

Deinen Frieden schenke auch den Hinterbliebenen.

Wir bitten, HERR, für Gerechtigkeit und Frieden in unserer Welt.

Wir sind erschrocken angesichts der vielen Flüchtenden, ange-sichts von Krieg und Gewalt, Terror und Hass; angesichts der Ausbreitung des Coronavirus. Lass uns mit allen politisch Verant-wortlichen dafür Sorge tragen, dass Menschen in Not Hilfe erfah-ren; dass Kriege beendet und gerechtere Verhältnisse geschaffen werden; und dass wir dem Lebensbedrohlichen klug begegnen.

HERR, unser Gott, hilf uns umzukehren von falschen Wegen;

hilf uns fürsorglich füreinander da zu sein, besonders für Kranke, Verzweifelte, Einsame, Sterbende, Enttäuschte, Suchende.

Hilf uns zu einem erfüllten Miteinander in Ehe und Familie, in Lebensgemeinschaften und Partnerschaften, in Wirtschaft und Gesellschaft. Lass uns immer neu motiviert sein von deiner liebevollen Zuwendung in Jesus Christus.

Amen.