predigt

Rm. 5, 1-5

Was bewirkt christlicher Glaube? Was kann ich jemandem versprechen und so zu christlichem Glauben einladen? Was habe ich davon, in diesem Glauben zu leben und dabei zu bleiben – ja mich zu engagieren in und für Kirche?

Die Zeilen des Apostels Paulus, die er an die Christen in Rom geschrieben hat und die wir eben gehört haben, legen uns ein dreifaches nahe:

1.) Dadurch finde ich Frieden mit Gott.
2.) Der Raum der Gnade und Herrlichkeit steht offen.
3.) Die Hoffnung befreit, jetzt zu lieben.

Frieden mit Gott – das hat die Komponente eines ruhigen Ge-wissens – nicht dass da niemand hinter das kommen kann, was belastend für mich ist, sondern: was da immer belastend vor-gebracht werden könnte, das ist geklärt. Meine Schuld habe ich Gott bekannt und für das Geschehene die Verantwortung über-nommen. Nichts ist da nur unter den Teppich gekehrt und ich stehe dazu. Wir haben doch letzte Woche bei Adam & Eva ge-sehen, wohin das „sich verstecken und verleugnen“ führt ...

Aber ja – das Bekennen ist noch nicht der Friede mit Gott, son-dern der 1. Glaubensschritt, indem wir Gott als dem liebenden Vater im Himmel und unseren Schöpfer vertrauen und Zutrauen haben. Die Jesusgeschichten zeigen uns doch: Gott kommt rettend auf uns zu; Gott geht uns heim-suchend nach, so dass wir nach Hause kommen in die Gemeinschaft mit Gott.

Wenn Paulus den Christen in Rom schreibt: gerecht geworden durch den Glauben, dann beschreibt er damit, dass sie in die Gemeinschaft mit Gott zurück gefunden haben durch Jesus, den Christus. Türöffner Glaube als das Vertrauen zu Gott, dass es trotz und mit unserer Vergangenheit einen Neuanfang gibt durch Vergebung.

Und Paulus schreibt weiter, dass damit der Raum der Gnade und Herrlichkeit offen steht.

Ihr Lieben, es geht uns schon um Zukunft. Ist sie düster und bedrohlich, dann haben wir Angst. Dann agieren wir aus der Angst heraus. Dann suchen wir uns abzusichern, zu erkaufen, zu verdienen – uns einen Namen zu machen wie beim Turm-bau zu Babel. Die Vergeblichkeit solchen Bemühens hat noch einen Effekt: sie führt zur Entfremdung untereinander. Der Mitmensch wird der Fremde – der Anderssprachige, der An-dersglaubende, der kulturell andere – in seinem Anderssein mir bedrohlich. Der zerstörerisch-tödliche Macht- und Verteilungs-kampf nimmt seinen Lauf.

Aus der Gewalt- und Todesspirale befreit Christus als die Tür zur Ewigkeit; als die Quelle lebendigen Wassers; als der, der uns im himmlischen Vaterhaus erwartet. Es ist der Zugang im Glauben, indem wir uns auf Jesus berufen und ihm nachfolgen und das Heil annehmen als Gottes Geschenk, das für alle reicht und alle umschließt und mir „den anderen“ zum Mitmenschen und zum Nächsten macht.

Befreit im Glauben durch Christus sind wir frei anstelle Türme der Selbstdarstellung ein fröhlich-fürsorgliches Miteinander zu bauen. Zu lieben, wie Paulus schreibt. Zu lieben in und trotz Bedrängnis. Zu lieben mit unerschütterlicher Hoffnung. Zu lie-ben in selbstloser Hingabe, wie wir das bei Jesus ja sehen. Zu lieben durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt – zu lieben angesteckt von der Liebe Gottes, die Frieden mit uns gemacht und die Himmelstür aufgemacht hat.

Das „gerecht geworden durch den Glauben“ findet sich also wieder in der Liebe zum Mitmenschen wie zu sich selber. Selbsthass macht doch liebesunfähig. Hass auf den Mitmen-schen zerstört die eigene Menschlichkeit. Gottes Lebensatem aber, der Geist Gottes, ist ein Geist der Liebe.

Liebe Gemeinde,

wir folgen in diesen Tagen dem Weg Jesu hinauf nach Jerusa-lem als dem Weg ans Kreuz. Und es ist und bleibt die Frage nach dem „warum“? Die christliche Antwort zeigt nicht auf jemand anderen, sondern zeigt auf sich selbst und bekennt: für mich gingst du nach Golgatha.

Das „gerecht geworden durch den Glauben“ entspringt keiner Philosophie, sondern entspringt dem Leben und Glauben Jesu und seiner Liebe; seinem helfend-heilenden Umgang; seinem unbedingten wie kritischen, situationsbezogenen statt selbst-gerechten Umgang mit den Geboten; seiner wahrhaftigen und zu Gottvertrauen einladenden Rede von Gott als dem himm-lischen Vater.

Um es im Geschehen der Abendmahlsfeier zu sagen: ich darf die Liebe Gottes sehen und schmecken und das Angenommen-sein in der Gemeinschaft mit Gott und miteinander erleben, um aus dieser Erfahrung des geliebt seins heraus selber zu lieben; die Angst hinter mir zu lassen und Zuwendung zu wagen.

Und was immer mir dabei geschehen kann – es kann mich ja nicht von der Liebe Gottes wegreißen. Ja, es ist nicht die Ge-borgenheit des Paradiesgartens, sondern die inmitten einer zerrissenen und zerstrittenen Welt, die sich als Ehekrach und Umweltzerstörung, als Krieg und selbstgerechte Verlogenheit darstellt. Darin als die im Glauben gerechtfertigten Sünder zu lieben – das wäre christlich.

Amen.

Fürbitte

Vater im Himmel, du bist uns nachgegangen und kommst uns entgegen in Jesus Christus. Was wir selber uns nicht schaffen können – Rechtfertigung und den offenen Himmel, das schenkst du uns im Glauben durch Jesus Christus. Danke für diese Liebe und dass wir sie erfahren können in der Abendmahlsfeier.

Lass daraus ein liebenden Miteinander erwachsen unter uns als Kirche, in unserem Miteinander im Alltag, in unserer Welt.

Wir beten, HERR, an diesem Sonntag für alle Schwestern und Brüder im Glauben, die Verfolgung erleiden; die um ihres Glaubens willen benachteiligt werden im gesellschaftlichen Miteinander; denen Glaubensfreiheit verweigert wird. Lass sie in deinem Geist stark sein in der Liebe und gewiss im Glauben.

Wir beten, HERR, für unsere Kirche und die Gemeinschaft der Kirchen. Segne die Wahl zur 28. Landessnode. Segne den Dienst unseres neugewählten Landesbischofs. Segne den synodalen Weg unserer röm.-kath. Geschwister. Segne unser ökumenisches Miteinander in unserer Stadt und weltweit.

Wir beten, HERR, für alle, in ihrer ganz persönlichen Not auf einen Besuch, ein gutes Wort, praktische Hilfe warten. Geleitet von deinem Geist lass uns aufmerksam sein und bereit, helfend beizustehen.

Wir bitten, HERR, um den Geist der Liebe in unseren Entscheidungen, unseren Gedanken, Worten und Taten.

Wir bitten um die Kraft der Liebe in den Herausforderungen unserer persönlichen Lebenssituation und im Umgang mit den Notlagen in unserer Welt. Wir bitten um den Mut zur Liebe derer, die politisch und gesellschaftlich Verantwortung tragen.

Wir danken, dir, HERR, für unsere Gottesdienstfeier jetzt und die Erinnerung und Vergewisserung der Liebe. Lass uns darin bleiben und wachsen und dir darin die Ehre geben. Amen.