predigtEin weiterer Sonntag ohne dass wir in der Kirche Gottesdienst miteinander feiern. Die Vergewisserung und Stärkung unseres Glaubens muss sich auf das persönliche Beten und Bibellesen beschränken bzw. den persönlichen Austausch über Telefon und Internet.

Das Osterfest war nicht überschäumende Lebensfreude, sondern zurückgezogen in der eigenen Wohnung und mit „Kontakte meiden“. Ich denke an die Jünger Jesu am 1.Tag der neuen Woche unter dem Schock der Kreuzigung Jesu und in der Angst, vielleicht dasselbe Schicksal erleiden zu müssen als „Jesus-Anhänger“.

Glücklicherweise kommt der auferstandene HERR hinein in ihre verschlossenen Stuben und „dämmert“ ihnen nach und nach, dass der gekreuzigte Jesus jetzt der von Gott aus dem Tod auferweckte und eben der auferstandene HERR ist. Kreuzigung und Tod sind Teil der Ostergeschichte. Die Ostererfahrung schließt Leid, Kreuzigung und Tod ein – bleibt aber nicht dort stehen, sondern glaubt der Osterbotschaft, die die Engel, die Frauen, die Jünger bezeugen. Und in diesem Glauben gewinnen sie Hoffnung und neuen Lebensmut, dass sie zunehmend hinaus gehen und anderen davon erzählen und es als „Gemeinschaft der Hoffenden“ miteinander leben.

Der 1. Sonntag nach dem Osterfest beschreibt das als „neu geboren“. Eine „lebendige Hoffnung“ macht den Unterschied. Sie trägt den Namen „Jesus, der Christus, ist mein HERR“. Ja, diese Hoffnung bezieht sich auf Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Und sie erkennt und bekennt in dem Auferstandenen Gott selbst. (Das „mein HERR“ als Umschreibung Gottes.) Der Spruch für diesen Sonntag aus dem 1. Petrusbrief bringt es so auf den Punkt: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

Für diese Wiedergeburt steht die Taufe. Und in der christlichen Tradition ist der 1. Sonntag nach Ostern ein besonderer Tauftermin. Und vielleicht zünden Sie ja darum ihre Taufkerze oder eben eine Kerze zum Gedächtnis ihrer Taufe an und lassen dieses Licht leuchten als Hoffnung inmitten dieser Corona-Zeit.

Schalom,

Christoph Weber