predigtMt. 11, 25-30

Was macht Kirche aus – so fragen wir seit Pfingsten? Wie leben Christen?

Sie bekennen sich zum dreieinigen Gott – reden von Gott den Vater und den Sohn und den Hl. Geist – Sonntag Trinitatis. Und mit der Zählung der Sonntage nach diesem Fest über-strahlt es alles Christsein. Von Gott her, von Gottes Offenba-rung her als Schöpfer und in Jesus Christus und durch den Hl. Geist ist Christsein bestimmt. Zur Begrüßung in der Gottes-dienstfeier hat das praktisch seinen Platz wie eben auch im Glaubensbekenntnis, und dass wir „in Beziehung sein“ und Gemeinschaft nicht als menschliches Ideal oder Bedürfnis beschreiben, was es freilich auch ist, sondern auch Gott so verstehen – Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit.

Der 1. Sonntag danach thematisiert diese Gemeinschaft als Fürsorge – und dem werden Geld und Besitz zugeordnet. Geld und Besitz haben keinen Wert in sich – dann wären sie „Mam-mon“ und Götze, sondern sind Segen Gottes zum Wohlergehen in Gemeinschaft.

Ah, könnte man nun fragen, wer gehört denn da dazu? Für wie viele reicht es? Dieser Sonntag heute gibt die Antwort mit der großen Einladung „an alle“. Jesus erzählt dazu das Gleichnis vom Festbankett, zu dem auch die dazugeholt werden, die sonst abgeschoben sind. Das Evangelium gilt allen Menschen und alle sind eingeladen. Auf die Mühseligen und Beladenen, die hinter den Hecken und Zäunen wird ausdrücklich hinge-wiesen. Kirche ist offenbar nicht so sehr Creme de la Creme der Gesellschaft und Versammlung der Wohlsituierten und An-ständigen, sondern diese Ansammlung zum Festbankett Gottes versammelt die Randfiguren und Problem- und Sorgenkinder, die Bedrückten und Belasteten. Gestrauchelte kommen auf die Beine; Gedemütigte gehen wieder aufrecht; Belastete werden frei. Kirche als Ort der Freiheit und der Befreiung.

O ja, das ist schon auch anstößig. Gerade darum lasst uns auf den Heilandsruf hören, wie ihn der Evangelist Matthäus aufgeschrieben hat.

Textlesung

Ich habe dazu jetzt eine Erinnerung, eine Frage und ein Angebot:

Die Erinnerung an unser Gemeindeleitbild. Das bringt ja das biblisch-christliche Grundverständnis in unserer konkreten Lebenswelt zur Sprache. Und so verstehen wir uns:

Wir unterstützen Menschen in ihrer persönlichen Gottes-beziehung. Wir laden alle ein und öffnen Raum für viel-fältiges Wachstum.

Klingt nach Kirche als Lebenshilfe, in der ich zugleich Lebenshelfer sein kann und möge, indem wir Raum geben für das Wachstum der persönlichen Gottesbeziehung. Klingt für uns darin noch immer gut verständlich die große Einladung Jesu wieder? Das meint Christsein: einander und miteinander helfen, in der Beziehung zu Gott zu bleiben und zu wachsen – und eben das spiegelt sich ja in der Gemeinschaft als Kirche wider.

Damit zur FrageWie einladend sind wir? Sind unsere Türen offen und die Räume schön. Begegnet überall ein „du musst“ oder verlockt ein „hier kannst du dabei sein und mitmachen“? Verspürt man ein „keine Zeit und ja keine Störung oder Verän-derung“, oder teilen wir unsere Ansichten und Erfahrungen und sind miteinander auf dem Weg, auf dem wir tun, was und wie wir glauben?

Es gibt einen bösen Satz: Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht. Und damit wird völlig willkürlich Ausgrenzung vollzo-gen. Deswegen sage ich: ein böser Satz. Dagegen ist Jesu Ein-ladung bedingungslos. Aber alles ist zu diskutieren und zu prü-fen, wie es denn mit dem Geist Jesu zusammenpasst. Darum: 

schließlich das Angebotvon Jesus lernen. Und das meint, dass wir uns mit der biblischen Botschaft auseinandersetzen und in ihr dem Wort Christi lauschen. Wir haben nicht schon recht, weil wir etwas behaupten, sondern Wahrheit erschließt sich im gemeinsamen Hören und im Gespräch miteinander. Gottes Geist ist kommunikativ. 

Und wenn wir so von Jesus lernen, dann geben wir unsere Lasten ab und tragen die der anderen. Klar, unter eigener Last zu stöhnen ist anders als befreit jemandem was abzunehmen.

Und mit Jesus können wir lernen, zur Ruhe zu kommen und Frieden zu machen mit uns selber wie mit anderen, weil wir bei Gott Frieden finden und zur Ruhe kommen.

Liebe Gemeinde, als die Eingeladenen lasst uns einladend sein; und so unterschiedlich wir sind, lasst uns miteinander auf die Stimme Jesu hören und von ihm und miteinander lernen, zur Ruhe zu kommen. Amen.

Fürbitte:

HERR, wir danken dir für deine Einladung zum Festmahl und zur Gemeinschaft an deinem Tisch. Auch wenn wir es heute, den Pandemie-Umständen geschuldet, nicht in der Abend-mahlsfeier miteinander begehen, so erfahren wir doch in der Gemeinde den Geschmack des Himmels. Hilf uns, diesen Geschmack und die Freude mit ganz vielen zu teilen und nimm uns die Angst, dass wir dabei etwas verlieren oder zu kurz kommen könnten.

HERR, wir bekennen dir: wir grenzen uns ab und andere aus;

Wir schauen nach denen, die uns passen und sollten zu denen gehen, die uns brauchen. Wir wollen gerne unsere Ruhe und suchen zu wenig die Ruhe bei dir, die uns bereit macht, die Last anderer zu tragen. Wir bitten, HERR, vergib uns und nimm uns neu in deine Schule.

HERR, wir danken dir für Gudrun und Johannes Schädlich, die gestern ihr goldenes Hochzeitsfest feiern konnten. Danke für den Segen in ihren Ehejahren und durch sie in den Orten und Gemeinden ihres Dienstes wie jetzt bei uns. Bewahre sie in deinem Frieden, und lass uns durch solch ein Jubiläum angestachelt werden zu Dankbarkeit und zu Treue in unseren Beziehungen.

HERR, wir wissen um Krieg und Gewalt, Not und Elend in der Welt. Es geht ungerecht zu und ausbeuterisch. Auch die Corona-Krise trifft Arme härter als Wohlhabende. Wenn es uns vergönnt ist, viel zu haben, so lass uns umso mehr freigebig sein und viel helfen. Erfülle mit deinem Geist, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, auch in NGOs und Kirchen Verantwortung tragen, dass sie in deinem Geist Frieden stiften und Gerechtigkeit schaffen und die Erde bewahren helfen.

HERR, du weißt um unsere ganz persönlichen Sorgen und die Menschen und Situationen, die uns am Herzen liegen. 

Wir bringen es dir in der Stille: …

HERR, für uns und die Welt beten wir mit den Worten, die Jesus seine Jünger zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, …