predigtHebr. 13, 1-3

Wem, liebe Gemeinde, gilt meine Aufmerksamkeit? Bzw. wem sollte sie gelten?
In der Erzählung im Evangelium ist das Interesse Jesu auf die Herzuströmenden gerichtet: Was brauchen sie? Zu Essen.
O, da haben wir aber ein Problem oder wissen schlicht nicht, wie das gehen könnte.
Danken für das, was zur Verfügung ist und miteinander teilen – so wird uns die „Lösung“ vorgeführt.

Wem, liebe Gemeinde, gilt meine Aufmerksamkeit? Bzw. wem sollte sie gelten? Nachdem im Brief an die Hebräer Christus übergroß vor Augen gestellt wurde und ermutigende Beispiele benannt worden sind, folgen im Schlusskapitel Mahnungen, die auf ein christliches Verhalten zielen. Lebenspraxis eben. Wovon soll unser Tun und unsere Hingabe geprägt sein? 

Von den insgesamt 19 Versen lese ich jetzt nur die ersten 3 – für gewöhnlich sind die zuerst genannten Dinge die aktuell Brennendsten. Dabei müssen wir selbst uns nicht unbedingt als „Hebräer“ verstehen – Menschen, denen Christus Jesus vor Augen steht und die IHM nachfolgen wollen, sind wir aber schon auch. Also, lasst uns hören als sei es direkt an uns gerichtet:    Hebr. 13, 1-3 lesen

Zuerst: brüderliche Liebe – ein gutes, füreinander sorgendes, verbindliches, ja herzliches Miteinander unter Geschwistern.

Bitte nicht gleich abschalten, weil es familiär mit den Ge-schwistern gerade nicht rund läuft und man sich eher aus dem Weg statt zueinander geht. Geschwister haben sich auch nicht gesucht, sondern finden sich vor in der Familie und durch ihre Eltern. So finden Christen sich vor durch die Taufe in der „Fa-milie der Kinder Gottes“ als „hineingeboren“. Die Zugehörig-keit des bzw. der anderen ist nicht von meiner Zustimmung ab-hängig, sondern sie sind „gottgegeben“ – egal, wie sehr mir das als Zumutung erscheint. Mit unseren Sympathien wie Nichtsympathien kann das Miteinander in der Gemeinde und als Kirche ganz schön belastet sein – aber dann müssen wir bitte mit den Problemen umgehen und umgehen lernen, sodass sie nicht entzweien, sondern wir gemeinsam Gottesdienst feiern und miteinander für unsere Mitmenschen aktiv sind. Unter den „Hebräern“, den Briefempfängern, war das wohl ein Problem. Und keine Gemeinde seitdem ist davon unberührt. 

Vom Wortlaut her steht im griechischen Text für Liebe nicht „Agápe“ wie z.B. bei Paulus im 1.Kor. 13, dem „Hohelied der Liebe“, sondern das „fileo“ als das selbstverständliche Fürein-ander und Miteinander wie in einer Familie. Ein grundsätzlich freundschaftlicher und zugewandter Umgang – wie unter uns.

Punkt 2 ist Gastfreundlichkeit. Dass das gesagt werden muss!

Leider aber scheint diese Selbstverständlichkeit doch nicht selbstverständlich. Hat man etwa schlechte Erfahrungen ge-macht? Fühlte man sich ausgenutzt und hielt die Türen zu?

Der Verweis, es könnten ja Engel sein, die da kommen, soll extra locken und zeigen: das ist nicht nur Mühe mit den Gäs-ten, sondern auch – oft – meist doch ein Segen und wir sind als Gastgeber Beschenkte. Ja, leider benimmt sich dann und wann auch jemand daneben oder kulturelle Unterschiede bzw. Miss-verständnisse prallen aufeinander. Das tut weh. Aber der Gast-freundlichkeit möchten und sollen wir verpflichtet bleiben.

Mich verwundert, ja erschreckt, wenn Menschen, die sich be-tont auf die Bibel berufen und auf ihr Christsein wert legen, die kirchliche Beteiligung an der Seenotrettung im Mittelmeer zum Anlass ihres Kirchenaustritts nehmen; auch dass der Bun-deskanzlerin der Satz angesichts des Flüchtlingszustromes „wir schaffen das“ vorgeworfen und gerade das als Versagen hingestellt wird. Ist nicht gerade dieser Satz christlich?

Natürlich wäre es besser, wir hätten rasch politische Lösungen und spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort, verbunden wohl auch mit gerechteren Wirtschafts- und Han-delsstrukturen, und hätten damit wesentliche Fluchtursachen beseitigt. Aber dass es daran noch fehlt, darf uns doch nicht von Gastfreundlichkeit abhalten. Auch wenn uns bald 2000 Jahre von der Abfassung des Hebräerbriefes trennen – die angesprochene Ermahnung ist hochaktuell.

Bleibt schließlich der Verweis auf die Gefangenen und Miss-handelten. Wie leicht und schnell könntet ihr selbst in dersel-ben Lage sein, schreibt der Verfasser. Was würdet ihr euch da wünschen? Es geht um Mitgefühl, und es geht gegen Selbstge-rechtigkeit. Es geht um Menschenrecht und Menschenwürde auch für Gefangene und womöglich Straftäter; es geht um Recht und Menschlichkeit. Naja, so manches Burg- und Schlossmuseum zeigt die Verliese und Folterbänke – man kann sich auch in Hoheneck umsehen. Abschaum oder Mitmensch?

Hierzulande gibt es Gefängnisseelsorge. Das ist sicher ein wichtiger Beitrag im Sinne des Mitgefühls für Gefangene. Aber es braucht auch das Mittragen durch die Gemeinden, dass da keine verurteilende Stimmung ist, sondern eine mit-menschlich-mitfühlende Haltung.

Geschwisterlich-liebevolles Miteinander; Gastfreundschaft; Mitgefühl und Mitmenschlichkeit selbst für die, die als „abge-schrieben“ gelten – so zu handeln würde die Welt angenehmer machen. Christen sollen so leben, denn ihnen steht doch Christus vor Augen. Amen.
Fürbitte – Gottesdienstfeier um 9:30

HERR, wir haben Hunger – hungern nach Brot, nach Freude, nach Leben, nach Mitgefühl, nach Verständnis, nach Liebe.

Da kamen viele, Jesus, aus Neugier wie aus Not. Du hast ihre Bedürftigkeit gesehen und Brot und Fische unter sie geteilt.

Schenke uns, HERR, deinen Blick für unsere Nächsten. Hilf uns liebevoll und wertschätzend miteinander umzugehen, gastfreundlich zu sein und auch denen Mitgefühl nicht zu versagen, die in unseren Augen doch nur Versager sind.

Segne uns, HERR, die Ferienwochen. Ob auf Reisen oder mit Zeit zu Hause – hilf uns verstehen und annehmen was uns mit der Corona-Pandemie auferlegt ist. Lass uns den Weg finden zwischen Ängstlichkeit und Leichtsinn, zwischen Not-wendendem und Un-nötigem. Lass zur Ruhe kommen, bei sich und bei dir ankommen, die Urlaub haben.

Wir beten, HERR, für die Wiederbesetzung der Pfarrstelle in Hormersdorf, für das Miteinander der Gemeinden in unserer Stadt und in der Region; für unser persönliches wie auch gemeinschaft-liches Zeugnis für das Evangelium. Hilf uns persönlich wie als Kirche zu wachsen im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe.

Wir beten für unsere Lieben und auch für die, die uns nerven.
Wir beten für Gefangene, Flüchtende, Suchende, Gestrandete.
Wir beten für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft, im Wirtschaftsleben und auch in der Kirche, dass sie von deinem Geist geleitet der Verantwortung gerecht werden können.