predigtAngst –
Diese Scheiß-Angst mit dem Corona-Virus.
Das macht die Urlaubsfahrt kaputt; die Familienfeier fällt aus.
Schule ist blöd – aber nicht in die Schule dürfen ist noch blöder.
Es nervt zu denken, sobald mir jemand auf 2 Meter nahe kommt oder ich ihm: jetzt bringt er mich gleich um.

Es hat ja was, dass wir Menschen intuitiv erfassen, wenn da eine Gefahr ist, ehe wir überhaupt „verstehen“. Der Bauch ist schneller als der Kopf. Interessant – oder?
Aber eben die Angst … ist dann auch nicht wegzudiskutieren.
Manchmal rennen wir weg und machen uns lächerlich – manchmal ist wegrennen lächerlich. Wohin denn, vor dem Corona-Virus?

Wir überlegen inzwischen wegen Weihnachten: Krippenspiele, volle Kirchen – und Corona. Das ganze Weihnachtsgefühl geht vor die Hunde – erstickt in der Angst.

Ich kriege die Angst nicht los – auch weil sich meine Allmachtsphantasien längst aufgelöst haben in der nackten Realität: Ich kann mich nicht retten, sondern muss mit dieser „Scheiß-Angst“ umgehen. Ob es nun die Angst um Gesundheit ist oder um die Kinder und Enkel oder um die Gemeinde, vielleicht auch um meinen Erfolg – und eben Corona.
Kleinreden, bagatellisieren, sich einreden – das hilft alles nicht, weil die Angst überall ist.

Martin Luther hatte Angst – wir haben davon gehört.
Was mach ich bloß, wenn Gott mir sagt: „Himmel is nicht für dich.“ Die Hölle ist nicht schön.
Naja, Kirchensprache von damals. Was soll uns das heute?

Pelé – gerade 80 Jahre alt geworden, 3x Weltmeister und das non-plus-ultra im Fußball, hat einen Wunsch – ihr habt es vielleicht ja auch gehört oder gelesen: „Nicht vergessen zu werden“!
Na wenn der schon Angst hat, vergessen zu werden als Welt-Fußball-Idol, was wird erst mit mir sein? Der große Pelé hat Angst, vergessen zu werden; Angst, dass seine WM-Titel nichts nützen…
Wir hatten mal eine KV-Rüstzeit in Herrnhut. Haben da auch den Friedhof besucht. Grabstellen bleiben nicht nur 20 Jahre, sondern solange jemand die Person kennt, die da beerdigt wurde. Wer vergessen ist, wen keiner mehr kennt, da kann man die Grabstelle einebnen.

Naja, Luther hatte die Bibel, um auf seine Angst um den Himmel eine Antwort zu finden.
Bei Corona muss ich nicht in der Bibel googeln. Das kommt schlichtweg nicht vor.
Also müssen wir schon mal unsere fünf Sinne und unseren Verstand gebrauchen, um mit Corona umzugehen und dass uns diese Angst nicht auffrisst. Was ich da weiß, rät zur Vorsicht. Und was ich da weiß, rät zu vernünftigem gestalten und entwickeln. Die alten Muster sind vielleicht nicht die Lösung, aber es gibt doch Kreativität.

Nochmal zu Luther und der Angst, Gott könnte ihn abweisen. Es traf ihn ein Bibelwort und er nahm es für sich an, das sagt: deine Fehler stören Gott weniger als dass du kein Vertrauen zu Gott hast.
Und mit dem Moment, wo er das Vertrauen zu Gott wagt – okay, dann komme ich so zu dir, wie ich bin – da erlebt er eine wunderbare Befreiung, die ihn dann Erstaunliches tun lässt. Jedenfalls verbietet er sich und allen anderen, je wieder mit dem Himmel zu drohen oder mit der Hölle. Denn, so sagt er: Jesus ist die Antwort. Das ist Gottes Ja zu mir. Schluss mit Angst und mit der Angstmacherei.

Corona wegglauben wäre einfach nur Blödsinn. Zu viele Kranke sind richtig krank, viele daran gestorben.
Vielleicht aber: akzeptiere die Angst. Akzeptiere dein Ausgeliefertsein, ja Verlorensein mit diesem Virus.

Aber stell dir vor: Jesus ist Gott.
Und dann sieh mal, was das mit deiner Angst macht.
Zu verlieren ist da nichts mehr – nur zu gewinnen – denke ich. Glaube ich.

Fürbitte:
Gott – allmächtig, ewig, allgegenwärtig;
Vor allem, über allem, in allem;
Ursprung und Ziel; Weg, Wahrheit und Leben.
Dir wenden wir uns zu an diesem Festtag – und kommen mit unserer Angst.

Gott, hilf uns ehrlich sein mit uns selber wie auch mit anderen.
Hilf uns anzunehmen, wenn uns die Diagnose hart trifft, die Lebensumstände uns überrollen, wenn der Tod uns angrinst.
Hilf uns tun, was wir einander tun können gegen die Angst:
einander beistehen und Anteil nehmen und helfen;
unsere Handlungsmöglichkeiten entdecken und nutzen;
medizinische, psychologische, seelsorgerliche Hilfe suchen;
es im Gebet mit dir, Gott abmachen – sei es mit Wut oder Hoffnung.
Hilf uns in unserer je eigenen Betroffenheit ein Wort zu hören wie Martin Luther, das uns aufrichtet, handeln lässt, glauben lässt.

Genervt von Corona bringen wir vor dich, Gott, die daran leiden, körperlich wie seelisch, wirtschaftlich wie sozial.
Hilf uns, dass diese Krise unseres Lebens, ja auch unserer Kirche, nicht voneinander entfremdet, sondern kreativ Gemeinschaft gestalten lässt.

Wo Hass und Gewalt, Krieg und Not das Leben zerstören, hilf uns und vor allem den Politikern Recht und Gerechtigkeit zu schaffen; Frieden zu stiften und Wege zur Versöhnung einzuschlagen;
Not zu wenden und Lebensperspektiven aufzuzeigen.

Uns beschäftigt, wie wir der Corona-Pandemie Herr werden. Wer denkt da noch an Verfolgung und Vertreibung, an Flüchtlinge und die humanitären Katastrophen, Menschenrechtsverletzung und Kriegsgewinnlern.
Du, Gott, willst doch mein Heil wie ebenso das Heil für jeden Menschen. Das glaube ich doch. Hilf und uns, so zu handeln.

Wie ein lähmendes tödliches Virus – wie ein Krebsgeschwür – sitzen Missgunst und Neid, Rechthaberei und Herrschsucht, Ignoranz und Egoismus in uns – zerstören uns und unser Miteinander in Familien, Kirche und Gesellschaft. Wir bitten, HERR, um den Geist der Liebe – besonders auch um das Miteinander der Christen, Kirchen und Religionen.

 

Dir wenden wir uns zu und sprechen gemeinsam mit Jesu Worten:
Vater unser …