predigtWir gedenken der Verstorbenen im zu Ende gehenden Kirchenjahr. Sie sind heimgegangen – so sagen wir aus unserer christlichen Perspektive. Zum Einen, weil wir alles Leben, ja die ganze Schöpfung von Gott herkommend und zu Gott hingehend verstehen. Der Kreislauf des Lebens ist uns kein sinnloses rotieren, sondern geht von Gott und zu Gott - das ist seine Richtung, sein Sinn. Wohl uns, wenn wir es so im Blick haben und so auf dem Weg sind im Leben und durch die Zeit.

Zum Anderen, weil Jesus, der uns Gott als Vater im Himmel erschlossen hat, auferstanden ist und uns bei Gott erwartet. „Ich gehe zum Vater – und da ist auch der Platz für euch“ - so hat er es seinen Jüngern gesagt. Insofern ist eben unsere Heimat im Himmel und wird Sterben zum Heimgehen.

Auch wenn wir den Tod Angehöriger oder von Freunden als „heimgegangen“ verstehen, kann das sehr schmerzvoll sein. Der Mensch, der doch immer da war, fehlt sehr. Der Partner fehlt sehr. Das ist es doch, was so traurig macht, selbst wenn jemand im gesegneten Alter heimgegangen ist. 

Und mitunter sind Lebensvorstellungen zerbrochen und empfinden wir „aus dem Leben gerissen“. Die Verletzlichkeit auch des eigenen Lebens tritt hervor – erschreckend. Manche reagieren mit „verdrängen“. Nur bekommen wir damit weder den Verlust noch das Erschreckende weg. Da könnte das „heimgegangen“ tröstlich sein. Tröstlich inmitten der Trauer.

Das Lied für die Kinder war doch fast zu locker-flockig, so lachend und tanzend, um als „angemessen für den Ewigkeitssonntag“ zu gelten? Naja, Kinder können angesichts von Sterben und Tod sehr traurig, und sehr direkt fragend, und eben kindlich-naiv im Umgang sein. Und meiner Beobachtung nach sind es gerade die Kinder, die für Leben stehen und Freude auslösen können mit ihrem „Dasein“. Ihnen Sterben und Tod „vorenthalten“ zu wollen, ist doch eher eine Täuschung. Lasst sie uns dahin mitnehmen, wo für uns angesichts von Tod und in der Trauer Hoffnung liegt. Zumal Gott uns in und mit ihnen ja Leben schenkt.

Dietrich Mendt hat mit dem Lied den Bibeltext aus Offbarung 21 vom neuen Jerusalem, von der aus dem Himmel herabkommenden Stadt, hineininterpretiert in unseren „Städtebau“ jetzt.

Und bezogen auf unser Gedenken der Verstorbenen: ist dieses Ende so gestaltet, dass man für den Normalfall und nicht den Unfall, im Frieden sterben können kann – idealerweise zuhause und jedenfalls nicht abgeschoben und einsam. Ich denke, dass da auch in Coronazeiten Sterbebegleitung und Abschiednahme möglich sind und das Schutzbedürfnis auch Beachtung findet.

Liebe Gemeinde, das biblische Bild bzw. dieses Offenbarungswort, das ja verängstigten, verfolgten, bedrohten Menschen Lebenszuversicht und Ewigkeitshoffnung vermitteln soll, hat drei Merkmale:

Erstens: diese neue Stadt kommt vom Himmel. Wir machen das himmlische Jerusalem nicht noch bringen wir uns dahin. Was wir tun können, ist glauben. Glauben und eben das „für-wahr-halten“ und dieser Wahrheit vertrauen, ja das Leben darauf setzen und darauf bauen, dass es genau so kommen wird. Wir sind traurig, fühlen uns verlassen, und weinen. Und Gott kann und will Leben neu schenken. 

Ob die 7 Gemeinde Kleinasiens, die diese Offenbarung des Johannes vor 2000 Jahren bekommen haben, sich darauf einließen, weiß ich nicht wirklich. Aber wir könnten es.

Zweitens: Gott ist bei den Menschen. Zukunftsmusik? Ja, unbedingt! Aber nicht nur! Ist das nicht die Weihnachtsbot-schaft? In der Menschlichkeit des Menschen, eben in der Mitmenschlichkeit ist Gott längst schon unter uns wohnend.

Trost ist nicht nur irgendwann einmal, sondern hier und jetzt. 

Zu gewagt, es so zu sagen? Klingt theologisch richtig, aber ??? 

Ich meine es existentiell. Gott kommt hinein in meine ganz persönliche zerschundene Situation. Da ist Gott in der Welt. Mein Leben ist seine Krippe.

Und dann ist da drittensGott wischt alle Tränen ab.

Ihr Lieben, menschliche Nähe ist ganz wichtig. Zusammenhalt in der Familie, als Freunde und Nachbarn sind ganz wichtig.

Nur ersetzt ja nichts davon den oder die Heimgegangene. Es kann auch nicht um „Ersatz“ gehen. Was würde das aus einem geliebten Menschen machen, wenn er „ersetzbar“ ist. Es geht um Trost und abwischen der Tränen und „neu ins Leben finden“ mit diesem Verlust. Da ist jede Geschichte dann wieder ganz persönlich. Aber das sollten wir einerseits zulassen, dass uns die Tränen getrocknet werden. Und ja, es bedarf wohl Gottes, dass im tiefsten Herzen Trost unser Leben heilen kann. Noch einmal: wir selber und unsere Mitmenschen sind und bleiben wichtig. Aber ohne Gott, sind sie wohl überfordert.

Und eben auch deswegen Gott: Ich muss das schon mit Gott ausmachen, wenn ER meinen oder einer meiner liebsten Men-schen „heimgerufen“ hat. Aber Gott wird die Tränen abwischen. Beim Schicksal gibt es keinen Trost – da muss man sich halt damit abfinden. In der Stadt, die vom Himmel kommt, begegnet der tröstende Gott. Und da darf ich weinen – und Gott wird die Tränen abwischen – doch, das wird ER machen. Amen.