predigtKann das gut gehen, liebe Gemeinde?

Umkehr zum Frieden, so das Thema der Friedensdekade in diesem Jahr; und in den Friedensgebeten haben wir darüber nachgedacht bzw. denken dem nach, wie es gehen kann: Umkehr zum Frieden. Und dann erzählt Jesus so ein „Schurkenstück“?

Also, dass es diese Geschichte überhaupt in die Bibel geschafft hat … Aber wenn schon, dann müsste es uns positiv was zu sagen haben. Schauen wir zuächst mal auf die Ausgangslage: Das Rechnungsprüfungsamtkommt. Der Verwalter wird, zumal es Anschuldigungen gibt, vorgeladen und Rechenschaft verlangt. Der Eigentümer hätte gerne gewusst, wie es steht und ob er seinen Anteil entsprechend auch bekommt. Was ist dran an den Anschuldigungen?

Dem Verwalter ist offenbar klar: hier komme ich nicht unge-schoren davon. Mein Job ist hin.

Okay – also nichts mehr zu verlieren, vielleicht aber zu ge-winnen? Ich bräuchte Freunde – Freunde, die mir vielleicht ja irgendwie „verpflichtet“ sind oder mir was schulden. 

Naja, er erkauft sich „Freundschaft“ mit dem Vermögen seines Herrn. Ganz schön gemein, finde ich. Und Jesus sagt: clever!

Also diese Geschichte ist schon ein Aufreger! Der Gauner wird gelobt. Der sich mit fremden Federn schmückt, wird als Vor-bild hingestellt. 

Oder doch nicht so einfach und vordergründig?

Er macht sich Freunde! Das ist wunderbar und positiv. Das sollte er längst schon gemacht haben. Denn Freunde haben ist essentiell für unser Leben – das gilt persönlich wie regional oder zwischenstaatlich. Wer keine Freunde hat, ist einfach nur arm dran. Und wer meint, ohne Freunde besser zu kommen, täuscht sich nur über sich und die Welt. 

Und ja, das sind Freunde, die mir aus der Patsche helfen; die mich, einen Versager und Davongejagten, nicht fallen lassen.

Kürzlich las ich von Christoph Daum. In einem Haar von ihm fand man Kokain – aus der Traum vom Fußball-Bundestrainer.

80% seiner Bekannten hätten sich damals, 2000, abgewandt von ihm – dem Drogenjunkie, Gesetzesbrecher, Looser ...

Wer sind meine Freunde? Trägt Familie – wie es Christoph Daum sagen kann? Wer sind meine Freunde – eben die, die den Katzenjammer oder größere Probleme mit mir teilen?

Erkaufte Freundschaft in der Geschichte? 

Oder ist das der Punkt: Schuldenerlass

Erlassjahr 2000“ - erinnern Sie sich? Eine weltweite Kampange, durch Schuldenerlass verschuldete Staaten aus der Schuldenfalle frei zu lassen. Rückzahlung eh ausgeschlossen; und die Zinsen „versklaven“ förmlich.

Glaubst du, dass es Wege aus der Schuldenfalle gibt?“ - so das Motto der Diakonie für die Haus- und Straßensammlung in diesem Herbst. Schuldenfalle? Selber schuld – oder? Soll der, der genießt und über seine Verhältnisse lebt, seine Schulden erlassen bekommen? Oder sehen wir zunächst den, der nach Adam Ries eh nicht zurückzahlen können wird? Oder sehen wir gerade den, den das Leben – die strukturellen Regeln – regelrecht in die Schuldenfalle fallen lassen? Und manchmal gibt es das Problem bei einer Friedhofsrechnung. Ist das denn gerecht, wenn „die anderen“ diese Schuld mit tragen müssen?

Die Geschichte, die Jesus erzählt, ist nicht einfach die Patent-lösung für unbezahlte Rechnungen, aber sie will doch in uns etwas anstoßen: was ist gerecht und warum finde ich das gerecht – und wie finden das andere; und warum wohl?

Wem schulde ich? Was tut es mir, wenn Schuld erlassen wird?

In der Geschichte fällt auf: Jeder Schuldige benennt seine Schuld. Schulderlass kann es wohl nur für jemand geben, der seine Schuld „bekennt“, eingesteht, und dazu steht. 

Für Unschuldige kann es keinen Erlass geben – wofür auch.

Und dann „erlässt“ der Verwalter. Solches „erlassen“ steht aber doch nur dem Eigentümer zu. Der Verwalter handelt hier im Namen seines Herrn, auch wenn er dabei ein sehr persönliches Ziel verfolgt. Wann immer der Eigentümer die Schuld von sei-nen Schuldnern zurückfordert – sie werden mit dem verringer-ten Betrag vor ihm stehen. Für ihn ist dieses Geld verloren – oder eben: das ist die Schuld des Verwalters.

Nun, wenn es um Schuld geht – da beten wir doch im Vater-unser: vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und ja, aus der Sicht macht der Verwalter genau das Richtige.

Ja, es ist irgendwie schon eine anstößige Schurkengeschichte, die Jesus da erzählt – aber dass es mich aufregt, bringt mich doch in Bewegung, mal nachzudenken und vielleicht ja umzu-denken und umzukehren, um das Motto der Friedensdekade wieder aufzugreifen. Umkehr zum Frieden – mit Freunde machen und Schulden erlassen?