predigtSacharja 9, 9-10

Wunderbarer Orgelklang, den wir hören.

Wunderbare Worte, die Sacharja im Namen Gottes auszurichten hat: es wird Friede sein und Freiheit. Die Aggressionen liegen am Boden und der Blick geht zum Himmel, der Stimme Gottes lauschend. 

Zukunftsmusik. Musik, die Zukunft eröffnet. Friedenszeit ist Lebenszeit. Aber die Töne klingen schon jetzt, erklingen im Verheißungswort und zeigen auf das Geschehen vor Augen: der König kommt auf einem Esel – ohne Herrschaftszeichen oder Ansprüche. Das stellt auf den Kopf, was man so kennt und gewohnt ist.

Und so fängt Gerechtigkeit an; und so kommt Hilfe an.

Freue dich, Gemeinde, denn so kommt Gott im Klang der generalreparierten Orgel. Strahlend oder klagend, zart oder brausend und stimmgewaltig, in großer Vielfalt harmonisch erklingend und ausreichend Luft. Wir haben vielleicht unsere Lieblingsklänge. Aber hören wir auch die anderen – hören auf die Resonanz der Töne in uns, hören die Friedensbotschaft? Oder was ist los mit uns, wenn uns diese Botschaft aufwühlt? Sind wir da etwa in unserer Herrschsucht getroffen? Oder wie kann es sein, dass der Reiter auf einem Esel bedrohlich wirkt?

Freue dich, Gemeinde, denn so kommt Gott im Tun und Lassen des Kirchenvorstandes – so und nicht anders.

Es wird erzählt, dass es zuweilen anders sei: zerstritten, gequält, ohne Lachen. Da liegt dann offenbar was schief und bräuchte Besinnung auf den, der zu uns kommt und wie ER kommt – auf einem Esel reitend.

Freue dich, der du heute – ja jetzt dieses Wort hörst und bedenkst. So kommt Gott zu dir wie zu mir - auf Augenhöhe.

König Israels ist Gott selbst. Israels Glaubensgeschichte kennt das machtvoll rettende Eingreifen Gottes in Notlagen – die Rettung durch das Wasser hindurch, in dem die verfolgenden Soldaten umkommen. Und die „himmlischen Heerscharen“ sind nicht immer und nur lauter singende Engel, sondern eine Übermacht mit feurigen Schwertern. 

Sacharja spricht vom Kommen Gottes so anders: ein Herab-kommen Gottes vom hohen Ross auf den scheuen Esel; von der Kriegsmaschine auf das Lasttier. Damit wäre dann wohl der Krieg zu Ende, denn man schlägt doch nicht auf einen Wehrlosen ein. Einander besuchen, Handel treiben ist schlauer als totschlagen.

Dieses „so anders“ in den Worten Sacharjas nimmt in dem Mann aus Nazaret, der unter dem Jubel der einfachen Leute auf einem Esel von Betanien aus nach Jerusalem reitet, Gestalt an. Friedenskönig Jesus. Und das war nicht nur eine Demuts-geste für den Moment vielleicht, sondern erlernte und eingeüb-te Grundhaltung und Lebenseinstellung. 

Angenehm anders und verstörend anders. 

Die es verstörte und die sich soetwas nicht vorstellen konnten, wie etwa Pilatus, die schlugen auf ihn ein und schlugen ihn ans Kreuz. So ist die Welt: wer so kommt, stirbt. 

Gott stirbt. Der verheißene, freudig begrüßte Messias endet so am Kreuz – erhöht und gekrönt zum Spott. Und nun erwarten wir Gott doch wieder strafend dreinschlagend? 

Nein: sondern Christus wird von den Toten auferweckt.

Der Eselreiter hat ihn gezeigt und gelebt, und er ist nun selbst der Weg zum Leben. 

Von diesem wohltuenden Kommen Gottes und diesem Weg zum Leben soll unsere Orgel Zeugnis geben – dazu haben wir sie geweiht. Sie soll uns Stimme Gottes sein – und in ihrer spätromantischen Klanggestalt uns locken und einladen auf den Weg des Friedens – der manchmal ja auch bei mir und mit mir selber anfängt.

Ja und das ist Auftrag des Kirchenvorstandes – nicht zu herrschen über die Gemeinde oder einzelne oder über den Pfarrer vielleicht, sondern miteinander und füreinander diese Grundhaltung und Lebenseinstellung zu lernen und einzuüben wie Jesus – wie auf einem Esel reitend.

Zukunftsmusik? Vision dessen, wie es sein soll!

Die Zukunft beginnt mit uns jetzt – mit Musik und klugen Entscheidungen, die Lebenslast tragen statt abzuwälzen oder gar anderen aufzulegen; und die Gott trauen über das eigene Leben hinaus. Und die Freude haben an der Lebensvielfalt, wie die Klangvielfalt der Orgel sie abzubilden unternimmt.

Wenn nun wieder die Adventslichter an sind – so besonders bei uns im Erzgebirge, dann ist es ja die Festbeleuchtung in dunkler Jahreszeit für eben jenen König, von dem Sacharja spricht; für eben jenen König, dessen Geburt wir Weihnachten feiern, und der auf einem Esel einst in Jerusalem einritt. Amen.