freundeAusstellungseröffnung auf der Wartburg, weil Martin Luther vor 500 Jahren hier von Kurfürst Friedrich dem Weisen versteckt wurde. Auf dem Reichstag in Worms hatte der kleine Mönch aus Wittenberg weder seine Thesen gegen den Ablass noch auch nur eine seiner Schriften widerrufen, weil er sich im Gewissen gebunden sah an die Heilige Schrift und man ihm mit vernünftigen Gründen in derselben zeigen möge, dass er im Irrtum sei. Nun war Luther „vogelfrei“ und auf der Wartburg in Sicherheit als Junker Jörg. Und das war die Gelegenheit, sich an die Übersetzung des Neuen Testamentes aus der griechischen Ursprache ins Deutsche zu machen. Wie gut Martin Luther das gelang, mögen wir im September 2022 feiern, dem Erscheinungsdatum vor 500 Jahren.

Weil im Corona-Lockdown nichts Neues zu erzählen ist, darum graben wir in der Geschichte? Nun ja, die geschichtlichen Daten liegen nun mal so. Mein sich dessen erinnern gibt mir Anregungen für mein bzw. unser Denken und Handeln heute:

Die christliche Bibel als Heilige Schrift hat für Luther grundlegende Bedeutung. Er weiß sich daran gebunden und will sich bewusst darauf beziehen. Dazu liest der den „Urtext“ – und das ist ein durchaus „kritischer“ Zugang – kritisch nämlich mit Blick auf das eigene Verstehen. Im Zweifel sucht er Antwort „im Text“ und mit vernünftiger Argumentation. Dabei nimmt er es hin, mit tradierten Versionen und Autoritäten in Konflikt zu geraten. Eigenes Denken und eigene Erfahrung bringt er zuerst mit der biblischen Überlieferung in Beziehung. Das möchte ich für mich genauso tun und wünsche es mir fürs gemeinsame Bibellesen und Bibel verstehen.

Und wiewohl Glaube eine Herzenssache ist und als persönliche Glaubenserfahrung erlebt wird, so sind doch Vernunft und Verstehen einerseits Zugänge, über die uns der Heilige Geist die Wahrheit des Glaubens erschließt und offenbart; andererseits sind beide selbstkritisches Handwerkszeug gegen Irrglauben und „Schwärmerei“, und ebenso für ein gutes, verständliches, selbstverantwortetes Zeugnis.

Martin Luther wagt sodann die eigene Übersetzung – wofür der den Leuten aufs Maul schauen und ihre Sprache sprechen will – nicht als „Anbiederung“, sondern damit sie „verstehen können“. Wenn etwas „Fremdsprache“ für mich ist, habe ich es mit dem Verstehen doch ganz schwer. Da sind heute das Reden am Stammtisch, wissenschaftliche Diskurse, soziale Medien, Milieus, Region etc. eigene Welten. Da hinein wie darin möchten wir „von Jesus erzählen“ und Gottesdienst feiern.

Bei Luther damals brach Erstarrtes auf. Das wäre auch heute schön.

Schalom, ihr Pfarrer Christoph Weber